Gedanken nach der 28. Kleiderbörse

 

Mal ehrlich: Wir fragen uns manchmal schon, warum wir eigentlich an unserem Konzept einer Kleiderbörse festhalten: Verkäuferbestimmte Preise, Auszahlung an die Verkäufer (abzüglich 10 % Anteil für uns) und der unglaublich aufwendigen Arbeit an drei Tagen. Vor allem angesichts der vielen 1-Euro Kleiderbörsen, der Flohmärkte rundherum und des Second Hand Marktes, der ja auch noch existiert.
Aber dann gibt es da jedes Mal die zahllosen netten Kontakte mit den Verkäuferinnen und Verkäufern, die ihre Ware bei uns abgeben und abholen, sich sehr freuen über unerwartet hohe Einnahmen oder auch weniger freuen, wenn die Ikea-Tüte nach der Börse immer noch gut gefüllt ist, uns Pralinen und Komplimente dalassen und auch oft einen kleinen Schnack bei der Nummernvergabe halten. Wir vermissen jahrelange treue Kundinnen und machen uns Gedanken, wenn sie einmal nichts abgeliefert haben, haben mit schönen und traurigen Lebensgeschichten zu tun und können sehr viel erzählen über kleine menschliche Schwächen und lustige Eigenarten.
Vermutlich würden uns auch die Diskussionen über zuviele Kilos in den Ikea-Taschen irgendwie fehlen und die niemals endende Debatte darüber, ob der Pulli nun ein Sommer- oder ein Winterpulli ist und demzufolge bei einer unserer zwei Börsen im Jahr nicht ausgelegt wird.

Denn mal ehrlich: Wenn wir aufhören würden, an unserem Jahreszeitenkonzept festzuhalten, die Verkäufer mit ihren Vorstellungen nicht mehr als wichtige Instanz betrachten, nicht mehr auf einem gewissen Qualitätsstandard der verkauften Waren bestehen würden und alles dasselbe kosten würde, wäre der Gewinn bestimmt höher. Aber der menschliche Verlust wäre umso größer. Deswegen werden wir weiter machen mit unserer Sisyphos-Arbeit und den Kleiderberg immer wieder den Hügel hinauf wälzen, immer in der Hoffnung, dass am Rand des Weges Verkäuferinnen, Verkäufer und Kunden stehen und uns anfeuern. Und uns gerne Pralinen vorbeibringen dürfen!

Dafür sind wir jederzeit offen. :)