Anja Döhner: Drei Söhne, zwei Enkel, zwei Nähmaschinen. In meinem Garten besuchen mich Rehe – dafür opfere ich gern alle Blumen.
 

Sonntage müssen besonders sein. Ich mag es, Ausflüge zu machen, Besuch zu bekommen, den Tag mit anderen Menschen zu verbringen und etwas Schönes zu erleben. Wenn das Wetter im November nass und trübe wird, liebe ich es, sonntags auf meine Weihnachtsmärkte zu fahren und dort selbstgeschneiderte Kleidung zu verkaufen – ein Highlight in der Winterdunkelheit, trotz all der Arbeit, die das mit sich bringt.
 

Mir fällt manchmal auf, dass Menschen die Leere des Sonntags mit irgendetwas füllen müssen. Sie putzen dann Fenster oder erledigen den Badputz, sind aber nicht froh dabei. Ich vermute, ihnen fehlt der Alltag. Das ist schade, denn der Alltag ist viel schöner, wenn er nicht immer da ist. Der Sonntag ist das Sahnehäubchen der Woche, man muss es nur entdecken. Ein Traum von mir ist, alle paar Wochen mit ein paar festen Leuten etwas Gemeinsames zu unternehmen. Man würde sich aufeinander und auf den Tag freuen, jeder wäre mal dran mit bestimmen und man würde viel Neues ausprobieren. Vielleicht – irgendwann.
 

Der Sonntag ist der einzige Tag, an dem ich mich morgens aufmache und frische, warme Brötchen und die Zeitung kaufe. Da stehe ich dann in einer langen Schlange, meistens bin ich die einzige Frau unter lauter Männern, und freue mich auf das Frühstück. Wenn ich danach zum Gottesdienst gehe, ist die Praisezeit meine Lieblingszeit. In die Lieder und Texte kann ich eintauchen und sein, ich genieße das sehr.
 

Als ich fünf Jahre alt war, sind wir mit der Arabella zum Bullensee gefahren und haben dort Rosinensemmeln mit dick Margarine drauf gegessen – das ist eine leuchtende Kindheitserinnerung an den Sonntag. Wir haben haben eigentlich jeden Sonntag Ausflüge gemacht. Morgens nach dem Frühstück ging es los, eben an den Bullensee oder später mit dem Wohnwagen an den Alveser See, zum Hermanns-Denkmal oder zu den Externsteinen. Und wir waren nicht allein unterwegs, Freunde und Bekannte kamen auch mit. Es waren schöne Sonntage.
 

Heute denke ich, der Sonntag gehört zu den bedrohten Arten. Er ist schützenswert – vielleicht sollten wir ihn unter Naturschutz stellen.