Claudia Fenzau, Jahrgang 1971, Fahrradfahrerin und Strandkorbbesitzerin
 

Am Sonntag mag ich es am liebsten, Zeit zu haben. Nicht arbeiten zu müssen, keinen Dienst zu haben. Das war nicht immer so. Bis vor einigen Jahren war ich Krankenschwester im Verdener Krankenhaus und hatte Wechseldienst. Das bedeutet, alle zwei Wochen war ein Sonntag weg. Es fiel mir schwer, zu wissen, alle anderen sind jetzt zu Haus und haben frei, und ich bin im Dienst. Es ist nicht dasselbe, einen anderen Tag in der Woche nicht arbeiten zu müssen, so ein Tag läuft ganz normal wie alle anderen Tage, einkaufen, putzen, Schule, die alltäglichen Termine eben – da ist kein Sonntagsgefühl in dem Tag. Er ist kein Sonntags-Ersatz.
 

Wenn ich heute an den Sonntag denke und mir überlege, was mag ich besonders gern daran, fällt mir als erstes ein: Einen Gottesdienst besuchen. Meistens ist das der LKG-Gottesdienst, und besonders schön ist er, wenn ich morgens dort entspannt ankommen darf. Das bedeutet für mich, ohne viel Gespräch vor dem Start einen Platz suchen, herumgucken, auf den Beginn warten – ankommen. Die Praisezeit ist für mich etwas besonderes, sie ist mein persönlicher Glanzpunkt am Sonntagmorgen. Nach dem Gottesdienst finde ich die Begegnungen mit Menschen schön, ich rede gerne mit ihnen und freue mich über einen kleinen Schnack. Aber erst nach dem Gottesdienst, nicht vorher.
 

Etwas weiteres Schönes am Sonntag ist, sich Langeweile zu erlauben. Das langsame Vergehen der Zeit ohne große Ereignisse ist reiner Luxus, finde ich. Und noch etwas genieße ich sehr: Im Schlafanzug zu frühstücken, mit einer großen Kanne Tee und der Zeitung. Mit den Vormittagsgottesdiensten in der LKG ist das nicht mehr oft möglich, aber wenn es ab und zu doch die Möglichkeit gibt, nutze ich sie.
 

Meine schönsten Kindheitserinnerungen an frühere Sonntage sind gemeinsame Fahrradtouren mit der ganzen Familie. Wir sind vier Schwestern, und wir haben am Ziel immer ein Eis bekommen und eine lange Pause dort gemacht. Wenn wir zuhause blieben, gab es das Sonntagsessen, meine Mutter machte danach den Abwasch und mein Vater hat mit uns vier Schwestern in der Küche Gesellschaftsspiele gespielt. Bei Oma und Opa gab es Canasta-Nachmittage, das war auch schön.
 

Insgesamt, finde ich, sollte man den Sonntag als das Sahnehäubchen auf der Woche betrachten. Mit Kirsche obendrauf.