Sonntags

Was bedeutet uns der Sonntag eigentlich? Es gibt Sonntagshasser und Sonntagsliebhaber, er kann unfassbar langweilig oder unglaublich erholsam sein, und je nachdem, mit wem man spricht, ist er komplett überflüssig oder unendlich kostbar. Eine weite Spanne, in der vieles möglich ist.

Ich habe mich gefragt, wie sehen das unsere Gemeindemitglieder eigentlich?

Mögen sie den Sonntag?
Ist er vielleicht ein mühsamer Kompromiss zwischen vielen Ansprüchen und Wünschen?
Was wird getan an diesem Tag?
Und welche Erinnerungen an früher gibt es?

In einer kleinen, losen Abfolge wird es hier demnächst immer mal wieder Einblicke in den Sonntag verschiedener LKGler geben, und weil man ja immer mit gutem Beispiel vorangehen sollte, fange ich einfach mal mit mir an.


 

Mein Sonntagsgefühl


Früher mochte ich den Sonntag nicht sonderlich gern. Nach dem Sonntag kommt nämlich der Montag, und der Sonntag verlor dadurch erheblich an Attraktivität. Nichtsdestotrotz gab es ein ganz besonderes Sonntagsgefühl, und das ging so:

Nachmittags fuhren wir oft zu meiner Oma und anderen Verwandten, und das war manchmal nicht ganz einfach. Meine Verwandten sind Bewohner der Schwarmer Heide und deswegen etwas knorrig im Umgang, wie alle, die dort zwischen Kartoffeläckern und unwegsamen Waldflächen wohnen. Auf jeden Fall gab es bei Oma Nußkuchen, mein Onkel grummelte in seinen Bart und wir Kinder flüchteten nach draußen, um beim Hofhund, den Hühnern und im Gemüsegarten herumzustromern. Der Hofhund war durchgängig knurrig, aber gebissen hat er nur die Erwachsenen.

Im Ganzen gesehen waren die Besuche also gar nicht so übel, und auch sie sind Teil meines Kindheitssonntagsgefühls. Wenn wir nach solchen Ausflügen wieder nach Hause kamen, breitete unser Haus weit seine Arme aus: Das Licht drinnen wärmer, leichte Reste von Mittagessensduft in der Luft, die Holztreppe in das obere Stockwerk knarzte vertraut und das eigene Zimmer empfing einen, wie nur eigene Zimmer das tun können. Geborgenheit nach dem Gefühl des Fremdseins in einer anderen Welt. Dieses Gefühl gab es nur sonntagsabends beim Heimkommen, an keinem anderen Tag in der Woche war es so präsent.

Heute geht mein Sonntagsgefühl anders: Nach dem Gottesdienst, der dazugehört, sind es die Stunden ab Mittag, in denen der Tag sich ausdehnt und Zeit unendlich vorhanden ist. Keine Eile. Keine Hektik. Stille. Möglichkeiten tauchen wie kleine Inseln im Nebel auf und leuchten. Ideen hüpfen umher. Gedanken entwirren sich und formen neue Muster. Diese Zeiten sind kostbar und enden am Abend, denn der steht schon ganz im Zeichen des Montags. Das ist ok. Irgendwie gehört schließlich auch der Montag zum Sonntagsgefühl dazu.