Sonntags: Ulrike Wathling


Besonders wichtig ist mir am Sonntag die Ruhe - keine Arbeit, keine Hektik, kein Stress. Und seit ich hier in Verden in der Gemeinde bin, gehe ich regelmäßig in den Gottesdienst. Auch das ist mir sehr wichtig. Versteht mich nicht falsch: Ich bin früher auch öfter als nur an Weihnachten in die Kirche gegangen, aber hier hat sich das grundlegend geändert. Ich denke, an einem Sonntag ohne Gottesdienst würde mir mittlerweile etwas fehlen. Wenn ich bei meinen Eltern und Schwestern zu Hause bin, begleite ich oft meine Nichten in den Kindergottesdienst. Schön am Sonntag ist es auch, Zeit für Dinge wie Fahrradfahren, Lesen oder auch nur ein Schläfchen auf dem Sofa zu haben.


Wenn ich im Gottesdienst bin, liebe ich die Lieder, die wir singen. Mir liegt dieser Zugang zu Gott. Mit manchen dieser Lieder verbinde ich auch Erinnerungen an bestimmte Menschen, Orte oder Freizeiten auf meinem Glaubensweg – besonders an neun Jahre in Nürnberg und München, wo ich so etwas wie Hauskreis, Alphakurs, moderne Lobpreislieder kennen gelernt habe, die mein Leben unheimlich bereichert haben. Hier in Verden ist mir auch die Predigt wichtig geworden. Früher wusste ich oft nach zehn Minuten schon nicht mehr, was in der Predigt gesagt wurde. Das hat sich hier in der LKG deutlich geändert. Die Predigten sind lebensnah und strukturiert. Wichtige Punkte, Bilder oder Grafiken werden an die Wand projiziert und stehen so länger vor einem. Das gefällt mir.


Ich bin auf einem Bauernhof groß geworden und mit Sonntagen verbinde ich, dass auch diesem Tag die Tiere versorgt werden mussten, wobei wir Kinder nicht viel helfen mussten, aber durften. Auch wenn wir Besuch hatten, standen irgendwann immer zwei bis drei Leute auf und gingen füttern und melken oder das Getreide musste gemäht werden. Trotzdem war Sonntag kein Alltag, sondern ein besonderer Tag. Es gab Kaffee und Kuchen, während es alltags nur Kaffee mit Brot gab. Unsere Großeltern haben viel mit uns Geschwistern gemacht, während unsere Eltern auf dem Hof gearbeitet haben. Wir haben Ausflüge in den Harz, den Elm oder die Heide gemacht – das war sehr schön.


Ich bin nach dem Studium ein paar Mal umgezogen und habe dadurch immer wieder neue liebe Menschen kennen gelernt. Ich wünsche mir manchmal, dass meine Familie und alle meine Freunde direkt vor Ort wohnen würden, damit man spontan etwas zusammen machen und den Sonntag gemeinsam verbringen kann. Und außerdem wünsche ich mir, am Sonntag NIE an Montag zu denken!

Sonntags: Michael Volmer

 

An Sonntagen sind mir besonders wichtig die Ruhe und der Gottesdienst. Ohne den Gottesdienst vermisse ich mittlerweile etwas, das war nicht immer so. Früher als Kind durfte ein Gottesdienst für mich auf keinen Fall länger als 45 Minuten dauern – das hat sich im Vergleich zu heute deutlich verändert! Und auch die Form hat sich verändert. Neulich war ich zu Besuch bei meinem Bruder, wir haben einen traditionellen katholischen Gottesdienst besucht, und da haben mir die gesungenen Gebete sehr gut gefallen. Das hatte ich solange nicht gehört, dass es sich fast neu für mich angefühlt hat. Mein Bruder konnte diese Begeisterung nicht mit mir teilen, für ihn sind diese Gebete ganz normal.

In unseren Gottesdiensten ist die Lobpreiszeit ein sehr wichtiges Element für mich, wobei das „Sich-öffnen“ beim Singen wichtiger ist als der Text des Liedes. Wenn ich für mich allein singe, ist das etwas anderes, aber im LKG-Gottesdienst ist die Musik an sich der Türöffner. Und trotzdem könnte das alles wegfallen – nur die Predigt, die muss sein. Ohne Predigt kein Gottesdienst. Sie ist für mich das wichtigste Element. Der Kaffee danach ist auch sehr schön, aber natürlich nur, wenn es Kekse dazu gibt!

Wenn ich an früher denke, an Sonntage als Kind, fällt mir als erstes der Sonntagsspaziergang ein. Langweilig! Einmal versprach mir ein Onkel, wir würden eine Fußpost machen. Ich hatte keine Ahnung, was das sein könnte, habe mich gefreut und war schon ganz aufgeregt, was wir wohl Tolles unternehmen würden, und was war es? Ein öder Spaziergang! Davon habe ich wohl ein Trauma zurückbehalten, ich mache bis heute ungern Spaziergänge. Ansonsten erinnere ich mich an Sonntagsbraten, opulente Mittagessen mit Suppe, Braten und Beilagen und natürlich dem Nachtisch. Meine Mutter muss stundenlang in der Küche gestanden haben dafür. Selbstverständlich gab es dann nachmittags auch noch Kaffee und Kuchen. Verwandtschaftsbesuche waren toll, das lief immer alles spontan ab, ohne große Verabredungen vorher.

Heute wünsche ich mir am Sonntag immer schönes Wetter! Wünsche darf man ja haben. Der Sonntag sollte seinem Namen Ehre machen. Und außerdem wäre es schön, ausschlafen zu können, das gelingt mir meistens nämlich nicht.

Sonntags - Gerd Döhner

Gerd Döhner, Schnurrbartträger und unerschrockener Segway-Fahrer

Die Sonntage früher waren für mich vor allem langweilig. Mein sieben Jahre älterer Bruder hatte andere Interessen und war dann auch bald aus dem Haus. Die Erwachsenen blieben unter sich, und Kinder gab es nur eins: Mich.

Um dieser Sonntagslangeweile zu entkommen, brachten meine Eltern mich zu CVJM-Nachmittagen, und da entdeckte ich eine ganz neue Welt: Dort wurde zusammen gespielt, es gab Radtouren, Gruppenerlebnisse, wir machten selber Andachten und ab und an gab es sogar Wochenendübernachtungen in der Jugendherberge. Als Teenager war das für mich die Rettung.

Heute finde ich es gut, wenn der Sonntag für Gespräche mit der Familie oder mit Freunden genutzt wird. Man kann auch gut die Umgebung um sich herum bewusst wahrnehmen: Menschen, Natur, Dinge, zum Beispiel auf einem Sonntagsspaziergang. Wichtig ist mir: Am Sonntag wird nicht gearbeitet, nicht im Garten, nicht im Haus. Nichts wird repariert! Es ist ein Ruhetag, und das möchte ich bewahren.

Der Gottesdienst gehört zum Sonntag dazu. Ich freue mich, dort Menschen zu treffen, mit denen ich sonst nicht so viel Kontakt habe oder die ich überhaupt nur am Sonntag sehe. Die Zeit dort genieße ich sehr bewusst. 

 

Sonntags - Anja

Anja Döhner: Drei Söhne, zwei Enkel, zwei Nähmaschinen. In meinem Garten besuchen mich Rehe – dafür opfere ich gern alle Blumen.
 

Sonntage müssen besonders sein. Ich mag es, Ausflüge zu machen, Besuch zu bekommen, den Tag mit anderen Menschen zu verbringen und etwas Schönes zu erleben. Wenn das Wetter im November nass und trübe wird, liebe ich es, sonntags auf meine Weihnachtsmärkte zu fahren und dort selbstgeschneiderte Kleidung zu verkaufen – ein Highlight in der Winterdunkelheit, trotz all der Arbeit, die das mit sich bringt.
 

Mir fällt manchmal auf, dass Menschen die Leere des Sonntags mit irgendetwas füllen müssen. Sie putzen dann Fenster oder erledigen den Badputz, sind aber nicht froh dabei. Ich vermute, ihnen fehlt der Alltag. Das ist schade, denn der Alltag ist viel schöner, wenn er nicht immer da ist. Der Sonntag ist das Sahnehäubchen der Woche, man muss es nur entdecken. Ein Traum von mir ist, alle paar Wochen mit ein paar festen Leuten etwas Gemeinsames zu unternehmen. Man würde sich aufeinander und auf den Tag freuen, jeder wäre mal dran mit bestimmen und man würde viel Neues ausprobieren. Vielleicht – irgendwann.
 

Der Sonntag ist der einzige Tag, an dem ich mich morgens aufmache und frische, warme Brötchen und die Zeitung kaufe. Da stehe ich dann in einer langen Schlange, meistens bin ich die einzige Frau unter lauter Männern, und freue mich auf das Frühstück. Wenn ich danach zum Gottesdienst gehe, ist die Praisezeit meine Lieblingszeit. In die Lieder und Texte kann ich eintauchen und sein, ich genieße das sehr.
 

Als ich fünf Jahre alt war, sind wir mit der Arabella zum Bullensee gefahren und haben dort Rosinensemmeln mit dick Margarine drauf gegessen – das ist eine leuchtende Kindheitserinnerung an den Sonntag. Wir haben haben eigentlich jeden Sonntag Ausflüge gemacht. Morgens nach dem Frühstück ging es los, eben an den Bullensee oder später mit dem Wohnwagen an den Alveser See, zum Hermanns-Denkmal oder zu den Externsteinen. Und wir waren nicht allein unterwegs, Freunde und Bekannte kamen auch mit. Es waren schöne Sonntage.
 

Heute denke ich, der Sonntag gehört zu den bedrohten Arten. Er ist schützenswert – vielleicht sollten wir ihn unter Naturschutz stellen.

Sonntags - Claudia

Claudia Fenzau, Jahrgang 1971, Fahrradfahrerin und Strandkorbbesitzerin
 

Am Sonntag mag ich es am liebsten, Zeit zu haben. Nicht arbeiten zu müssen, keinen Dienst zu haben. Das war nicht immer so. Bis vor einigen Jahren war ich Krankenschwester im Verdener Krankenhaus und hatte Wechseldienst. Das bedeutet, alle zwei Wochen war ein Sonntag weg. Es fiel mir schwer, zu wissen, alle anderen sind jetzt zu Haus und haben frei, und ich bin im Dienst. Es ist nicht dasselbe, einen anderen Tag in der Woche nicht arbeiten zu müssen, so ein Tag läuft ganz normal wie alle anderen Tage, einkaufen, putzen, Schule, die alltäglichen Termine eben – da ist kein Sonntagsgefühl in dem Tag. Er ist kein Sonntags-Ersatz.
 

Wenn ich heute an den Sonntag denke und mir überlege, was mag ich besonders gern daran, fällt mir als erstes ein: Einen Gottesdienst besuchen. Meistens ist das der LKG-Gottesdienst, und besonders schön ist er, wenn ich morgens dort entspannt ankommen darf. Das bedeutet für mich, ohne viel Gespräch vor dem Start einen Platz suchen, herumgucken, auf den Beginn warten – ankommen. Die Praisezeit ist für mich etwas besonderes, sie ist mein persönlicher Glanzpunkt am Sonntagmorgen. Nach dem Gottesdienst finde ich die Begegnungen mit Menschen schön, ich rede gerne mit ihnen und freue mich über einen kleinen Schnack. Aber erst nach dem Gottesdienst, nicht vorher.
 

Etwas weiteres Schönes am Sonntag ist, sich Langeweile zu erlauben. Das langsame Vergehen der Zeit ohne große Ereignisse ist reiner Luxus, finde ich. Und noch etwas genieße ich sehr: Im Schlafanzug zu frühstücken, mit einer großen Kanne Tee und der Zeitung. Mit den Vormittagsgottesdiensten in der LKG ist das nicht mehr oft möglich, aber wenn es ab und zu doch die Möglichkeit gibt, nutze ich sie.
 

Meine schönsten Kindheitserinnerungen an frühere Sonntage sind gemeinsame Fahrradtouren mit der ganzen Familie. Wir sind vier Schwestern, und wir haben am Ziel immer ein Eis bekommen und eine lange Pause dort gemacht. Wenn wir zuhause blieben, gab es das Sonntagsessen, meine Mutter machte danach den Abwasch und mein Vater hat mit uns vier Schwestern in der Küche Gesellschaftsspiele gespielt. Bei Oma und Opa gab es Canasta-Nachmittage, das war auch schön.
 

Insgesamt, finde ich, sollte man den Sonntag als das Sahnehäubchen auf der Woche betrachten. Mit Kirsche obendrauf.

Sonntags

Sonntags

Was bedeutet uns der Sonntag eigentlich? Es gibt Sonntagshasser und Sonntagsliebhaber, er kann unfassbar langweilig oder unglaublich erholsam sein, und je nachdem, mit wem man spricht, ist er komplett überflüssig oder unendlich kostbar. Eine weite Spanne, in der vieles möglich ist.

Ich habe mich gefragt, wie sehen das unsere Gemeindemitglieder eigentlich?

Mögen sie den Sonntag?
Ist er vielleicht ein mühsamer Kompromiss zwischen vielen Ansprüchen und Wünschen?
Was wird getan an diesem Tag?
Und welche Erinnerungen an früher gibt es?

In einer kleinen, losen Abfolge wird es hier demnächst immer mal wieder Einblicke in den Sonntag verschiedener LKGler geben, und weil man ja immer mit gutem Beispiel vorangehen sollte, fange ich einfach mal mit mir an.


 

Mein Sonntagsgefühl


Früher mochte ich den Sonntag nicht sonderlich gern. Nach dem Sonntag kommt nämlich der Montag, und der Sonntag verlor dadurch erheblich an Attraktivität. Nichtsdestotrotz gab es ein ganz besonderes Sonntagsgefühl, und das ging so:

Nachmittags fuhren wir oft zu meiner Oma und anderen Verwandten, und das war manchmal nicht ganz einfach. Meine Verwandten sind Bewohner der Schwarmer Heide und deswegen etwas knorrig im Umgang, wie alle, die dort zwischen Kartoffeläckern und unwegsamen Waldflächen wohnen. Auf jeden Fall gab es bei Oma Nußkuchen, mein Onkel grummelte in seinen Bart und wir Kinder flüchteten nach draußen, um beim Hofhund, den Hühnern und im Gemüsegarten herumzustromern. Der Hofhund war durchgängig knurrig, aber gebissen hat er nur die Erwachsenen.

Im Ganzen gesehen waren die Besuche also gar nicht so übel, und auch sie sind Teil meines Kindheitssonntagsgefühls. Wenn wir nach solchen Ausflügen wieder nach Hause kamen, breitete unser Haus weit seine Arme aus: Das Licht drinnen wärmer, leichte Reste von Mittagessensduft in der Luft, die Holztreppe in das obere Stockwerk knarzte vertraut und das eigene Zimmer empfing einen, wie nur eigene Zimmer das tun können. Geborgenheit nach dem Gefühl des Fremdseins in einer anderen Welt. Dieses Gefühl gab es nur sonntagsabends beim Heimkommen, an keinem anderen Tag in der Woche war es so präsent.

Heute geht mein Sonntagsgefühl anders: Nach dem Gottesdienst, der dazugehört, sind es die Stunden ab Mittag, in denen der Tag sich ausdehnt und Zeit unendlich vorhanden ist. Keine Eile. Keine Hektik. Stille. Möglichkeiten tauchen wie kleine Inseln im Nebel auf und leuchten. Ideen hüpfen umher. Gedanken entwirren sich und formen neue Muster. Diese Zeiten sind kostbar und enden am Abend, denn der steht schon ganz im Zeichen des Montags. Das ist ok. Irgendwie gehört schließlich auch der Montag zum Sonntagsgefühl dazu.