Grundsätzlich ist zur Bibel zu sagen, dass ihre schriftliche Verfassung etwa um das Jahr 1200 v.Chr. mit Mose begann. Die Berichte des 1. Buch Mose sind bis dahin mündlich tradiert worden.

Hier ist nun das Neue Testament und da besonders die Evangelien gefragt. Matthäus und Johannes waren direkte Jünger Jesu, also Augenzeugen. Markus war Jesus sicher auch begegnet, aber die legitimierende Autorität hinter Markus ist Petrus. Markus hatte seinen Stoff aus eigenen Beobachtungen, aber auch besonders aus den mündlichen Erzählungen des Petrus bekommen und aufgeschrieben. 


Bei allen Evangelien ist es wichtig, dass sie in unmittelbarer Folge solcher mündlichen Berichte der Jünger (Apostel) verfasst wurden oder sogar von den Aposteln selbst. Der Grund der Evangelienverfassung war ganz einfach die Tatsache, dass die Augenzeugen langsam alt wurden. Nun mussten ihre Berichte über das Leben mit Jesus glaubhaft dokumentiert werden. Das taten die vier Evangelisten. Die Verfassungszeit der Evangelien liegt übrigens erheblich nach den meisten Briefen des NT - eben im hohen Alter der Apostel.


Zurück zur Entstehung:
Das älteste Evangelium ist das Markusevangelium. Verfasser ist der in der  Apostelgeschichte mehrfach erwähnte Johannes Markus - Sohn einer reichen Witwe in Jerusalem, in deren großem Haus sich die erste Gemeinde versammelte, wo vermutlich auch das Pfingstwunder geschah (Apg 12,12). Manche Forscher meinen, mit Johannes Markus hätten wir den doch noch bekehrten "Reichen Jüngling" vor uns, das ist aber nicht gesichert. Offenbar ist Markus durch Petrus zum Glauben gekommen (1Petr 5,13: "mein Sohn" ist geistlich zu verstehen).
Johannes Markus war danach Mitarbeiter von Paulus und Barnabas (Apg 12,25).  Seine Aufgabe war die des "Evangelisten". Der "Evangelist" taucht im Neuen Testament (NT) mehrfach unter den Lehr- und Leitungsgaben auf. Er ist nicht mit einem großen Prediger zu verwechseln. Damals war ein Evangelist ein Mensch mit einer hohen Auffassungsgabe, der in der Lage war, mündlich Berichte wortgetreu wiederzugeben. In diesem Fall nicht irgendetwas, sondern die Berichte über das Leben Jesu und damit die gute Nachricht seines Lebens, Sterbens, Auferstehens, Lehrens und Wirkens (Eu-angelion = gute Nachricht). Das war also seine (Markus) Aufgabe im Rahmen der Missionstätigkeit mit Paulus und Barnabas.
Es ist also nicht verwunderlich, dass Markus als Sohn reicher Leute auch schreiben konnte und irgendwann aufschrieb, was er von Petrus erfahren hatte.

Als Matthäus und Lukas ihre Evangelien verfassten, war das Markusevangelium schon im Umlauf, denn es geht vollständig in ihnen auf. Wer Matthäus und Lukas gelesen hat, findet in Markus fast nichts Neues mehr. Sie haben Markus als Basisstoff übernommen. Darüber hinaus hat Matthäus Markus ergänzt durch sein eigenes Wissen und Lukas hat noch weitere Quellen gehabt. Von Lukas dem Arzt wissen wir durch die Anfänge seiner Bücher, dass er neben dem Markusstoff vor allem Augenzeugen befragt hat, um zu seinen Stoffen zu kommen.

Johannes hat ein ganz eigenes Berichtsmuster und auch viele Berichte, die in den anderen dreien nicht vorkommen. Während die ersten drei Evangelien ihren Bericht in ein Jahr Wirkungszeit fassen, berichtet Johannes von einer dreijährigen Wirkungszeit Jesu. Er tut das als bereits sehr alter Mann gegen Ende des 1. Jahrhunderts. Wahrscheinlich hat er sein Evangelium nicht selbst beenden können, wie Joh 21,24 vermuten lässt.

Tatsache ist jedoch, dass die Evangelien zu einer Zeit verfasst und  veröffentlicht wurden, als weitere Augenzeugen Fehler, Dichtung und Übertreibungen durchaus hätten öffentlich anmahnen können.

Auszuschließen ist eine Abfassung der Evangelien durch die Kirche im z.B. 3.  Jahrhundert oder ähnliche Annahmen.

Allerdings wurden viele andere Evangelien in den ersten 2 Jahrhunderten nach  Christus geschrieben - ca. 400. Sie wurden jedoch alle nicht in die Bibel aufgenommen, weil ihnen die zeitliche Nähe zum Geschehen und die Gewährsleute fehlten oder sie tatsächlich zu viel Legendenbildung enthielten.

Interessanterweise gibt es wesentlich mehr alte Schriftfunde der Evangelien  als über irgendeine andere antike Persönlichkeit. Die Abfassungszeit der ältesten Abschriften ist außerdem erheblich näher am Geschehen als bei allen anderen Ereignissen dieser Zeit. Das NT übertrifft alle Geschichtsschreibung hier bei weitem! Zudem war zur Zeit der Verbreitung der Evangelien ein großer Teil der Augenzeugen durchaus noch am Leben - wenn auch alt. Man hätte sie fragen können, ob das Geschriebene der Wahrheit entspricht. 

Und damit nicht genug - hier eine Zeittafel zur Bibel.


Zeit der handschriftlichen Vervielfältigung


20.-5. Jh. v.Chr. Entstehung der Schriften des Alten Testaments

um 400  v. Chr. Entstehung des samaritischen Pentateuch

um 250 v.Chr. Übersetzung in Ägypten des hebräischen Alten Testaments ins Griechische (sog. "Septuaginta" 
[LXX])

200-100 v.Chr. Älteste erhaltene hebräische Handschriften des Alten Testaments (u.a. Funde aus den Höhlen von Qumran am Toten Meer). Älteste erhaltene Handschriften der griechischen Übersetzung des Alten 
Testaments.

28 - 31 n.Chr. Wirken von Jesus Christus in Israel

48 - 64 n.Chr. Abfassung der Briefe des Apostels Paulus. (Der älteste Brief des Paulus ist der Galaterbrief) 
Niederschriften der vier Evangelien.

Ende 1. Jh. Jüdische Schriftgelehrte in Palästina bestimmen den genauen Umfang der hebräischen Bibel.

In den christlichen Gemeinden der griechischen-römischen Welt steht jedoch von der Zeit der Apostel her die Septuaginta in kanonischem Ansehen - einschließlich einer Anzahl späterer Schriften, die die jüdischen Schriftgelehrten in Palästina nicht akzeptieren (Deuterokanonische Schriften / Apokryphen).

ab Ende 1. Jh. Zahlreiche Abschriften der biblische Schriften auf Papyrus. Statt der traditionellen Schriftrollen bevorzugen Christen die Form des Kodex, eines Vorläufers der heutigen Buchform.

um 125 Ältestes erhaltenes Bruchstück des Neuen Testaments (Papyrus P52)

um 144 Marcion in Rom stellt das Lukas-Evangelium und zehn Paulusbriefe in einer verkürzten Bearbeitung zusammen. Mit dieser sehr engen Auswahl gibt er der Kirche Anlass, das zahlreich gewordene christliche Schrifttum zu prüfen und einen "Kanon", der als verbindlich anerkannten Schriften, abzugrenzen (Neues Testament)

um 200 Der Kanon des Neuen Testaments steht im Wesentlichen fest.

um 200 Frühe Übersetzungen des Neuen Testaments ins Lateinische (Vetus Latina oder Italia).

um 200 Wichtige Papyrushandschriften: Chester-Beatty-Papyri (große Teile des Alten und Neuen Testaments [p45, p46, p47]) Bodmer-Papyri II, XIV und XV (u.a. Lukas und Johannes [P66, P75])

240-245 Origenes (185-254) stellt sechs verschiedene Textfassungen des Alten Testaments nebeneinander (Hexapla = »sechsfältiges« Bibelwerk): den hebräischen Grundtext, denselben Text in griechischen Buchstaben und vier griechische Übersetzungen. Ziel ist eine Überprüfung der Septuaginta am hebräischen Text.

Anfang 4. Jh. Frühe Übersetzungen des Neuen Testaments ins Syrische (Vetus Syra), daraus 
geht in der 1. Hälfte des 5. Jh. die sog. "Peschitta" hervor.

350-380  Wulfila übersetzt im heutigen Bulgarien die Bibel ins Gotische.

382 Die Synode von Rom legt die 27 Schriften des Neuen Testaments als für die Kirche verbindlichen Kanon fest.

382-420 Hieronymus bearbeitet die altlateinische Bibel. Er übersetzt das Alte Testament neu aus dem Hebräischen ins Lateinische und revidiert den altlateinischen Text des Neuen Testaments. 
So entsteht die später sogenannte »Vulgata«.

393 Die Synode in Hippo  stellt ein erstes Kanonverzeichnis (=Verzeichnis der Teile der Bibel) auf.

4. Jh. Übersetzung des NT ins Koptische.

4.-5. Jh. Die großen Pergament-Kodizes werden geschrieben 
Codex Vaticanus (ca. 300 - 325)
Codex Sinaiticus (ca. 350)
Codex Alexandrinus (ca. 400 - 425)
Codex Ephraemi rescriptus (ca. 450)
Codex Bezae Cantabrigiensis (ca. 450)

um 500 Der "Codex Argenteus" von Wulfilas gotischer Bibel wird geschrieben. 


5. Jh. Die berühmten Targume (Übersetzung ins Aramäische) von Onkelos und  Jonathan entstehen.

8.-19. Jh. Tätigkeit der jüdischen Masoreten in Tiberias und Babylonien am hebräischen Text des Alten Testaments (Ben Ascher).

um 800 Revision der lateinischen Bibel durch Alkuin auf Veranlassung Karls des Großen. Erste bekannte Übersetzung ins Deutsche: Das Matthäus-Evangelium in einem süddeutschen Dialekt (althoch-deutsch) durch Mondseer Matthäus. Bis zur Reformation entstehen bis zu 70 weitere deutsche Übersetzungen. 


8.-11. Jh. Prunkvolle Bibelhandschriften mit Miniaturmalereien entstehen.


11. Jh. Der Mönch Notker Labeo übersetzt den Psalter,  Williram das Hohelied ins Deutsche.

um 1200 Der Erzbischof von Canterbury und spätere Kardinal Stephan Langton teilte die lateinische Bibel in Kapitel ein.

um 1305 Der Zürcher Mönch Marchwart Bibelt schuf die erste bekannte Übersetzung der ganzen Bibel ins Deutsche (Mittelhochdeutsch).

11.-15. Jh. Zahlreiche Übersetzungen biblischer Schriften und der ganzen Bibel ins Deutsche und in andere Volkssprachen. Entstehung der Bilderbibeln. 
Übergang vom Pergament zum Papier.
Drucke der Armenbibel von geschnittenen Holztafeln als Vorstufe des  Bibeldrucks 


Quellen der Zeittafel

G. S. Wegener: 6000 Jahre und ein Buch, Kassel: Verlag Oncken, 1985
A. Holtzhausen: "Wie die Bibel zu uns kam" in der Zeitschrift von WYCLIFF
"Welt der Schrift", Nr. 1/2003
Neil R. Lightfoot: Die Bibel - Entstehung und Überlieferung, Wuppertal:
Verlag und Schriftenmission der Ev. Gesellschaft für Deutschland, 1983, 4. Auflage