Adventsgedanken

Adventsgedanken

 

Stör ich?

Welche Rolle spielt der Mensch eigentlich in dem Schauspiel Leben und Weltgeschehen, in dem er selbst die Regie führt?

Der Mensch ist ja der offensichtliche Hauptgestalter der Welt geworden - vor allem der Zukunft dieser Welt. Fast acht Milliarden von uns gibt es inzwischen. Vor uns weichen Wälder, Tierarten, das Klima. Flüsse werden begradigt, Wüsten dehnen sich aus, Küsten werden eingedeicht, Bodenschätze werden gehoben und z.T. verbraucht. Landschaften werden mit Verkehrsadern durchzogen. Städte und Dörfer breiten sich aus.

Forschung und Entwicklung drehen sich weltweit darum, dem Menschen Lebensraum und Lebensqualität zu schaffen und zu sichern. Inzwischen möglichst so, dass die Natur dabei möglichst wenig gestört wird.

Wir Menschen sind wie die Radnabe, um die sich alles dreht.

Und gleichzeitig sind wir unser eigener Störfaktor Nr. 1

Eigentlich ist der Patient das Problem für den Gesundheitssektor. Es wäre alles so viel schöner, wenn er gar nicht da wäre: Dann würde er kein Geld kosten. Man müsste ihm nur klar machen, dass er sich trotzdem krankenversichern soll, denn sonst fließt ja kein Geld.

Eigentlich sind Kinder toll. Man muss nur dafür sorgen, dass sie niemanden stören: Nicht die Eltern in der Berufsausübung, nicht die Nachbarn durch Lärm, nicht den Schulbetrieb durch ein angeborenes Lernprinzip, das man beachten müsste.

Eigentlich sollte jeder Mensch durch seiner Hände Arbeit (oder des Kopfes) leben und sich ernähren können. Aber eigentlich stört der Arbeitnehmer die Wirtschaft. Er kostet Geld. Er sollte möglichst durch eine Maschine ersetzt werden. Blöderweise muss er aber irgendwie zu Geld kommen. Nicht weil die Wirtschaft will, dass er sich ernähren kann, sondern weil sie will, dass er ihre Produkte kauft. Ärgerlich. Eigentlich ist die aktuelle Fragestellung die:
Wie kommt die Wirtschaft an das Geld der Leute, ohne es ihnen vorher geben zu müssen?

Eigentlich möchte jeder, dass sich alles um ihn dreht, aber gleichzeitig möchte sich niemand um andere drehen.  Ich möchte von einer Gemeinschaft getragen werden, aber möglichst nicht mittragen. Das stört dann, weil es anstrengend ist.

Eigentlich möchte jeder alles "on demand" (Auf Abruf) sofort zur Verfügung haben, selbst aber nur dann zur Verfügung stehen, wenn ihr/ihm danach ist. Das stört sonst, weil es unpassend ist.

Eigentlich möchte jeder, dass man ihm treu ist, aber selbst gehen, wenn es schwierig wird. Das stört sonst, weil es unangenehm ist.

Eigentlich wollen wir Gemeinschaft, aber wenn wir zusammen sind, smsen wir mit denen, die gerade woanders sind.

Wir deklarieren uns zum Wichtigsten der Welt und empfinden uns gegenseitig gleichzeitig als größter Störfaktor.

Wir lernen heutzutage in teuren Seminaren eine Work-Life-Balance, aber was uns fehlt ist eine Give-Take-Balance. Wir sind ja gar nicht überarbeitet. Nie haben wir eine so geringe Lebens- und Wochenarbeitszeit gehabt wie heute. Wir sind ganz woanders aus der Balance. Das Anwachsen psychischer Krankheitssymptome hat hier seine Wurzeln.

Die Lösung für unser Leben liegt nicht in dem, was ich für mich bekomme oder für mich tue, sondern in der Balance zwischen dem, was ich bekomme ohne wiedergeben zu müssen und dem, was ich gebe, ohne wiederbekommen zu wollen.

Wie sagte Jesus so treffend in der Bergpredigt (Matthäus 6,3) : "Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut."

Und das gilt nicht nur für Almosen.

Unsere persönliche Ökonomie ist aus dem Lot geraten. Und sie ist nicht mit einem "Mehr für mich" wieder ins Lot zu bringen. Wir würden damit  nur versuchen, eine Lösung herbeizuführen in dem wir das Problem verschärfen.

Was steckt hinter diesem widersprüchlichen Verhalten, mit dem wir uns wegnehmen, was wir eigentlich brauchen?

Es ist der heimliche gepflegte Irrtum, dass ein egoistischer Lebensstil am Ende doch der sicherste Weg zum persönlichen Glück ist. Ein Lebensprinzip, das seit Menschengedenken dem göttlichen Prinzip der Barmherzigkeit, der Treue, Hilfe, und der unverbrüchlichen Liebe entgegensteht.

Nur der Egoismus als Prinzip bringt das Empfinden hervor, ständig von anderen gestört zu sein. Am Ende aber bringt er Einsamkeit und Elend und nicht das Glück.

Das gesamte Neue Testament spricht vom Gegenteil:  Nur wer sich "stören" lässt, findet das Glück und den Frieden, den er sucht. Denn nur dies bringt echte, dauerhafte und tragende Gemeinschaft hervor, ohne die der Mensch nicht leben kann.

"Wir hätten gedurft..."

Am Ende eines Lehrertreffens unserer ConTakte-Musikschule meldete sich einer der Lehrer: "Kennt ihr eigentlich Open Doors? Das ist ein Hilfswerk für verfolgte Christen, das weltweit agiert. Wisst ihr, was für ein Vorrecht wir haben, überhaupt Musik machen zu dürfen und als Christen eine christliche Musikschule betreiben zu können? Es gibt Länder in denen das strengstens verboten ist."

 

Ich selbst sah kürzlich im ZDF Auslandsjournal eine Reportage über Bagdads einzige und letzte Ballettschule, die unter großem öffentlichem Druck steht. Die letzte Ballettschule im Irak. All das, um den verdorbenen westlichen Werten einen Riegel vorzuschieben. Dass es dann so weit gehen muss, dass auch der Freude ein Riegel vorgeschoben wird, ist tragisch.

Ein anderer Musiklehrer meldet sich - er hatte für das Treffen eine Zeit gemeinsamen Musizierens und Singens vorbereitet, zu der es aus Zeitgründen an dem Abend nicht mehr kam. Er zeigt auf den vorbereiteten Stuhlkreis mit einer schön gestalteten Mitte und sagt: "Wir hätten heute Abend gedurft." und er schmunzelte ein wenig.

 

Damit war kein Vorwurf verbunden, aber dieser Satz traf mich ins Herz. "Wir hätten gedurft."

 

Wie oft schon habe ich Christen beten gehört: "Herr, wir danken dir, dass wir unseren Glauben noch in Freiheit leben dürfen und dass wir uns ohne Druck versammeln dürfen. Wir danken dir, dass wir ohne Angst vor Verfolgung unseren Glauben öffentlich bezeugen dürfen... usw."

Wenn ich dann sehe, wie wenig wir aus dieser Freiheit machen. Wie wenig mutig wir bekennen und zu einem heilsamen Leben mit Gott einladen. Wenn ich sehe, wie christliche Gemeinden, Kirchen, Freikirchen und Werke einfach nicht aus dem Quark kommen. Wenn ich sehe, wie unmotiviert auch in unserer LKG zum Teil die Alphakurse wahrgenommen werden.

Wenn ich Christen sehe, die  sich vornehmlich um ihre persönliche Bequemlichkeit kümmern, dann beschleicht mich ein mulmiges Gefühl:

Was wäre, wenn diese Zeit der Freiheit in Europa einmal zu Ende geht?

Wie tragisch, wenn wir dann wehmütig zurückblicken und sagen müssten: "Wir hätten ja gedurft."
Warum nutzen wir unsere Zeit des Dürfens nicht besser? Warum sind die wachsten Christen da zu finden, wo der Druck am höchsten ist? Natürlich kann man das psychologisch gut erklären, aber sollten wir uns auf dieser Erklärung einfach ausruhen? Nein! Lasst uns diese Zeit des Dürfens nutzen. Lasst uns kreativ sein, einsatzbereit, aufbruchsfähig und mutig.

Diese Welt braucht Heil und Jesus will es schenken - kostenlos, man muss es nur abholen und dazu muss es jemand im Namen Jesu anbieten. Wer? Na wir! Wir dürfen - heute!

Gedrängel in der Mitte

"Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt" So oder so ähnlich prangt es fröhlich und sympathisch in den Leitbildern deutscher Firmen, Bildungs- und Pflegeeinrichtungen, im Gesundheitswesen, in Parteien, Vereinen und Kirchen.

Wenn ich das so bei mir bedenke, müssten wir eigentlich ein Land glücklicher und sorgloser Menschen sein, denn alle, auf die es ankommt, haben ja den Menschen im Mittelpunkt stehen. Das geballte Interesse ist auf das Wohlergehen des Menschen gerichtet. So richtig eine 1 mit Sternchen bekommt dieser Vorsatz, wenn er noch ausdrückt, dass nicht nur der Mensch im Mittelpunkt steht, sondern dass er sogar "in seiner Individualität im Mittelpunkt steht". Das meint dann nicht nur den  Menschen im Allgemeinen, sondern sogar im Besonderen. Man könnte auch sagen: "Wir möchten unsere Angebote maßgeschneidert abliefern.

Das ist natürlich kein Zufall, denn genau das ist ja auch der Anspruch, den der Mensch von heute hat. Passt doch super zusammen.

Um die Fantastischen 4 zu zitieren: "Es könnt alles so einfach sein, isses aber nich."

Warum isses nich alles so einfach?

Weil der Mittelpunkt immer nur EIN Mittelpunkt sein kann und immer nur Platz für EINS hat.

Ich halte diese Vorsätze und Leitsätze für ehrlich und gut gemeint, ABER sie funktionieren nicht, weil der Mensch sich den Mittelpunkt mit anderen Interessen teilen muss.

Wir haben in Mitteleuropa nicht mehr so viele gemeinsame Werte und Ziele. Und die paar die wir noch haben, sollen bitteschön alle im Mittelpunkt stehen. Und das tun sie eben nicht. Sie streiten sich um den Mittelpunkt, denn Platz ist dort nur für einen. Man müsste Prioritäten setzen, aber das scheint nicht zu funktionieren.  Nehmen wir mal das Gesundheitswesen - ein gutes Beispiel.

Der Hippokratische Eid stellt den Menschen in den Mittelpunkt der Verpflichtung des Arztes. Guter Vorsatz. Natürlich muss der Arzt von seiner Dienstleistung leben können. Ganz aktuell: Natürlich müssen alle, die das Gesundheitswesen betreiben, ihr Auskommen haben. So weit so gut. Heute kommt aber etwas hinzu, das sich in den Mittelpunkt drängt: Die privaten Trägergesellschaften wollen nicht nur das Auskommen der Beschäftigten sichern, sondern kräftig Gewinn machen - so viel wie möglich. Egal ob Pflege, Krankenkassen, pharmazeutische Industrie oder medizinische Forschung: Der alte oder kranke Mensch im Mittelpunkt steht im Streit mit dem Profit, der auch in den Mittelpunkt drängt. Und - ganz ehrlich - wer wird diesen Kampf wohl gewinnen? Oder ist er schon entschieden? Denn es bleibt dabei: Im Mittelpunkt ist IMMER nur Platz für eins oder einen.

 Anderes Gebiet: Familienpolitik. Wo, wenn nicht hier, sollte der Mensch in seiner Individualität im Mittelpunkt stehen? Das ist doch das Anliegen absolut jeder Partei. Faktisch aber gibt es einen Streit um den Mittelpunkt. Die Individuelle Freiheit steht im Streit mit der individuellen Fürsorge. Eltern sein? Ja, aber möglichst ohne Einschränkung der Freiheiten in Fragen beruflicher Entfaltung. "Kein Problem!" sagt die Politik, "Dann schaffen wir eben Krippenplätze, dort werden die Kinder eh pädagogisch besser betreut als zu Hause..."

Was bedeutet hier: "Der Mensch steht im Mittelpunkt."? Welcher Mensch ist gemeint? Oder glauben wir wirklich, wir könnten auf diese Weise das Unmögliche möglich machen und ohne Schaden Freiheit und Bindung gegeneinander ausspielen?

 Der ewige Eiertanz um die Bildungsrepublik Deutschland spricht eine ähnliche Sprache. Oh ja, wie wichtig Bildung ist. Das erfährt man in der Regel vornehmlich von Wahlplakaten. Vermutlich ist das wirklich das ernste Vorhaben aller Parteien. Aber dann ist es doch nicht so ernst, dass man dafür anderes beiseite stellt und mal richtig Geld und Herz und Hirn investiert. Daneben treten dann noch Ideologien und ihre Lobbyisten, die um die Kinder kämpfen und schon steht alles Mögliche im Streit um den Mittelpunkt. Dreimal darf man raten, welche Chancen die Schüler in diesem Streit haben, deren Individualität ja im Mittelpunkt stehen soll.

 Ich glaube, man könnte hier ein Thema nach dem anderen ansprechen. Immer stoßen wir auf das Gleiche Problem: Wir möchten gerne fokussiert sein, aber gleichzeitig möchten wir auch alles andere. und das ist ganz einfach nicht möglich.

 Um einen Mittelpunkt glaubhaft zu besetzen, muss anderes beiseite gestellt werden. Möglicherweise muss ich selbst beiseitetreten, damit das oder derjenige im Mittelpunkt stehen kann, der dort hingehört. Wenn immer alle im Mittelpunkt stehen wollen, wird am Ende niemand im Mittelpunkt stehen. Wenn auch noch das Materielle dazukommt, ist das Chaos perfekt.

Wenn niemand zurücktritt, kann auch niemand vortreten.

Um den bekannten Satiriker Volker Pispers zu beleihen: "Jeder kann im Mittelpunkt stehen, aber nicht alle." und vor allem nicht alle und alles gleichzeitig.

Jeder Mensch hat fortwährend gleichzeitig mehrere Phasen seines Lebens zu gestalten. In der einen Phase steht er nicht im Mittelpunkt, sondern er tritt beiseite und stellt jemand/etwas in den Mittelpunkt. Parallel dazu gibt es immer auch andere Lebensbereiche, in denen er von anderen in den Mittelpunkt gestellt und gefördert wird.

Nur so kann es gehen und es gilt zu erkennen, was heute dran ist.

 In der Bibel heißt es in Philipper 2,3+4 (HfA):

Weder Eigennutz noch Streben nach Ehre sollen euer Handeln bestimmen. Im Gegenteil, seid bescheiden, und achtet den anderen mehr als euch selbst. 4 Denkt nicht an euren eigenen Vorteil, sondern habt das Wohl der anderen im Auge.

 Anders ist das mit dem Mittelpunkt nicht zu haben und damit steht für jeden von uns die Frage auf: Wo bin ich dran und wo nicht? Was muss raus aus dem Mittelpunkt, damit überhaupt etwas oder jemand drin sein kann? Gott segne uns in unseren Entscheidungen. Macht er ja auch :-)

Die Gefahr des Friedens

Seltsamer Titel, oder? Kann Friede gefährlich sein? "Nie wieder Friede!" das wird hoffentlich niemals zur Parole einer Bewegung, wie es "Nie wieder Krieg" geworden ist. In den Geschichtsbüchern sind allerdings eher die großen Kriege als Marksteine gesetzt. Welcher Schüler lernt schon als Geschichtsdatum, dass in irgendeiner Gegend von dieser bis zu jener Zeit Frieden herrschte? Im kommenden Jahr 2015 jährt sich zum 70. Mal das Ende des zweiten Weltkrieges. 70 Jahre Frieden - das gab's noch nie. Und es gehört zum guten Ton wohlerzogener Staatsbürger und Christen, aus den Fehlern der Geschichte zu lernen. Unsere Kriegs- und Gewaltvergangenheit soll uns lehren, die Zukunft besser zu gestalten. So weit, so gut und auch so richtig und wichtig.

Was lehrt uns eigentlich der Friede? Kann man in die Geschichte schauen und sagen, welche Lehren aus längeren Phasen des Friedens und des wachsenden Wohlstandes für die Zukunft zu ziehen wären?

Als Griechenland in den vorchristlichen Jahrhunderten zu einer führenden Nation aufstieg, die es verstand, sich militärisch zu sichern, erlebte dieser Raum eine kulturelle Blüte. Man war nicht mehr nur mit Kriegführen und Überleben beschäftigt.  Eine wachsende Zahl Menschen wurde wohlhabend. Das bedeutete auch, dass nicht mehr alle Zeit mit Arbeit verbracht wurde, sondern etwas Neues kam auf: Muße. Zeit zum Nachdenken, Fragenstellen, dem Sinn des Lebens und dem System hinter allem auf den Grund gehen... Die Philosophie entstand und im Gleichschritt die großen Naturwissenschaften. Theater, Architektur, all diese großen Errungenschaften kamen auf. Denken braucht Ruhe; Frieden ermöglicht sie. Ohne Frieden fallen Menschen zurück in unzivilisierte elementarisierte Lebensweisen. Frieden ermöglicht Zivilisation im besten Sinne.

Aber nicht nur. Frieden hat die Völker, die ihn lange genug hatten und nutzen konnten, immer auch wieder unzivilisiert gemacht. Jede vergangene Hochkultur kann uns lehren, dass lange Phasen des Friedens und Wohlstandes diesen Scheitelpunkt kennen, an dem etwas kippt. Plötzlich machen sich neben starker Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur seltsame Unsitten breit. "Perversionen" kommen in Umlauf - dabei ist "pervers" nicht auf das Sexuelle begrenzt, sondern bedeutet eigentlich ganz allgemein "verdreht".

Wir stehen gerade an so einem Scheitelpunkt, an dem die eigentlichen Errungenschaften der Zivilisation und des Friedens von uns selbst unterlaufen werden. Werte werden verdreht. Das beginnt mit zartem Nachfragen und macht sich irgendwann als Mainstream breit. In der wohlhabenden Bundesrepublik Deutschland wird immer mehr um das Recht auf Abtreibung gefochten. Die medizinische Indikation (Gefahr für das Leben der Mutter) ist recht selten der Grund. In den meisten Fällen eher die Lebensplanung. Und das in einer zivilisierten Gesellschaft, die Würde und Lebensrecht als höchste Errungenschaften feiert. Pränataldiagnostik ermöglicht es, Embryos mit Genfehlern, Behinderungen oder Krankheiten gar nicht erst geboren werden zu lassen. Die unausgesprochene Wahrheit dahinter ist: "Behinderte müssen heute nicht mehr geboren werden." oder noch krasser gegenüber denen, die schon geboren sind: "Dich hätte man heute verhindern können."

Zurzeit beginnt das zarte Nachfragen nach den Kosten des Alters. Man muss kein Prophet sein, um damit zu rechnen, dass alte, pflegebedürftige Menschen irgendwann suizidale Gedanken bekommen werden, weil sie sich scheuen, zur Last zu fallen. So fern ist das schon heute nicht mehr.

Grundgedanken menschlicher Existenz wie die Vermehrung des Menschen durch Mann und Frau werden als sexuelle Wahlmöglichkeit dargestellt bis hin zur Wahl des eigenen Geschlechtes, wie es die Gender Mainstream Bewegung fordert. Allein der gesunde Menschenverstand muss dieser Perversion widersprechen und sich fragen, wem hier eigentlich derart langweilig war, dass er sich so etwas ausdenkt.

Die lange Friedensphase ließ unsere Wirtschaft von einer wertschöpfenden sozialen Marktwirtschaft unmerklich zu einer profitorientierten Geldwirtschaft mutieren, die mit vollem Bewusstsein auf Kosten unterdrückter und ausgebeuteter Arbeitskräfte in Afrika und Fernost Profitmaximierung betreibt, mit Lebensmitteln spekuliert und selbst in unserem Land die produzierende Arbeitnehmerschaft immer mehr von Wachstum und Wohlstand abhängt. Am deutlichsten zutage tritt dies im Gesundheits- und Pflegebereich. Eine Mehrklassigkeit ist kaum noch zu verhindern, ja, es gibt sie schon.

Und nicht zuletzt erleben wir ein Schwinden der Toleranz. Paradoxerweise in unserer Zeit, die Toleranz nahezu als DAS Hauptwort des Mainstreams proklamiert. Hinter den schönen Sprüchen verbirgt sich inzwischen eine gnadenlose und zutiefst intolerante Hetze auf unpopuläre, weil konservative, Meinungen. Tolerant ist man vor allem gegenüber jedem Tabubruch, jedem Traditionsabbruch sowie jedem Wert, der Einschränkungen der absoluten Freiheit mit sich bringt. Wer davon etwas bewahren will, weil er es für bewährt hält, wird mit Schimpfworten und Schlagworten öffentlich unmöglich gemacht: Angstgeleitet, homophob, intolerant, mittelalterlich, dumm, ewig gestrig usw.

Was lehrt uns der Friede in der Geschichte?

Er lehrt uns, dass der Wohlstand, den er bringt, auf Werten basiert, die er nicht über Bord werfen darf. Tut er dies, so wird das Volk sich selbst zum Wolf. Die Werte Jesu Christi sind Garanten für Zukunft in Gerechtigkeit, Hoffnung, Menschlichkeit und Liebe.  Sie grenzen uns ein und gerad darin liegt ihre Stärke, denn sie bewahren uns davor, pervers zu werden in Gedanken, Worten und Werken. Wie sagte er so bildhaft am Ende der Bergpredigt in Matthäus 7:

24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.
25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.
26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.
27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.

Friede kann gefährlich werden, wenn wir nicht aus dem Frieden der Geschichte lernen. Was hilft es uns, die immer selben Lehren aus dem 3. Reich und den Weltkriegen zu ziehen, wenn wir die Lehren aus den Selbstdemontagen der Hochkulturen ausblenden? Politiker, Kulturschaffende und Kirchen unserer Tage bilden sich viel darauf ein, aus den Fehlern des 20. Jahrhunderts gelernt zu haben. Dabei verpassen sie gerade schon wieder, was es zu lernen gilt, bevor es zu spät ist.