Neugierig sein

Neugierig sein




Nicht aufhören können zu lesen bis das Buch zuende ist. Die Zahnpastatube aufschneiden, um herauszufinden, wie die Streifen in die Paste kommen. Das Samentütchen einfach aussäen, obwohl die Aufschrift auf der Packung nicht mehr leserlich ist. Einen Luftballon steigen lassen, mit Adresse, und hoffen, dass die Karte zurückkommt. Die Reise buchen. Ohne Navi in die nächste Stadt fahren und gucken, wo man landet. Immer noch um die nächste Ecke gehen. Oder über den nächsten Hügel. Auch in die fünfte Kirche des Tages gehen und hoffen, dass Gott dort wartet.

Alleine essen gehen und die Gespräche am Nachbartisch belauschen. Oder fragen, ob man sich dazu setzen darf und ein Gespräch anfangen. Morgens ans Fenster gehen und den ersten Blick hinaus werfen – ist noch alles da? Vielleicht doch mit einer Katze zusammenwohnen wollen. Drachen steigen lassen – kann man es noch? Die Bibel ganz durchlesen. Unbedingt das Ende erfahren wollen. Nachsehen, wie die letzten zehn Strophen des Liedes lauten, von dem man nur die ersten drei kennt. Einen Gedichtband kaufen und Rose Ausländer testen. Mit Freunden zusammen ein Spiel einer Sportart angucken, die keiner kennt – vielleicht Quidditch?

Die Straßenbahnlinie bis zum Ende fahren. Umwege machen. Mit dem Fahrrad all die unbekannten kleinen Seitenstraßen ausprobieren und neue Wege suchen. Vorgärten angucken. Wer hat den schönsten Briefkasten? Ausprobieren, ob das Wasser warm genug ist. Trotzdem reinspringen. Für die Mondfinsternis wach bleiben. Morgens um vier rausgehen, sich mit einer Decke in den Park legen und Sterne gucken. Kaktuseis probieren. Beten.

Wann hat Sie das letzte Mal etwas ungeheuer interessiert? Erinnern Sie sich, wie es sich angefühlt hat, das Risiko einzugehen und positiv neugierig zu sein? Denken Sie groß! Das Leben ist es auch. Ein zu spät gibt es nicht. Vielleicht ist es an der Zeit, das Wort Neugier ganz neu durchzubuchstabieren.