Gedankensplitter

Zukunftsfragen

Zukunftsfragen an uns selber

 

- wie wird die neue Zeit sich anfühlen?

- wie wird sie aussehen?

- wird sie mir passen?

- muss ich hineinwachsen?

- ab wann werde ich die Lücke in der Mitte als Chance betrachten?

- was denkt Gott wohl gerade über mich? Über uns?

- und was denke ich über Gott und seine noch unbekannten Pläne mit mir? Mit uns?

- wird es einen Beitrag zum großen Ganzen von mir geben?

- würde ich Aufmerksamkeit schenken wollen? Zuwendung geben? Da sein? Beten?

- wann habe ich das letzte Mal ein bisschen über den Tellerrand gelinst?

- wäre jetzt die Gelegenheit, das zu tun und die Erlebnisse von dort hier einzubringen?

- kann ich die Vergangenheit dankbar ansehen und neugierig und erwartungsvoll auf das Kommende schauen? Gibt es noch Dinge zu bedenken? Wie viel Zeit gebe ich mir dafür?

- angesichts all der Einsamkeit da draußen: Wann habe ich zum letzten Mal darüber nachgedacht, was für ein Schatz unsere Gemeinde ist? (Vielleicht wäre das ja was für den Nachbarn, der immer alleine draußen sitzt?)

- lächle ich, wenn ich an uns denke, und wenn ja: Habe ich das eigentlich schon mal irgendjemandem erzählt?

Glaube ist manchmal wie eine Erdbeere


Glaube ist manchmal wie eine Erdbeere.

Vollmundig, süß und saftig, voller Verheißung.
Du beißt hinein und alles ist richtig, nein, sogar besser als nur richtig, vollkommen.
Das Leben ist schön.
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Glaube ist manchmal wie eine Zitrone.
Du siehst sie an, gelb glänzend liegt sie vor dir, und du ahnst schon, pur wird das nichts.
Aber was soll´s, ein Versuch kann nicht schaden, und du beißt tapfer ins Fruchtfleisch.
Danach weißt du, hier brauchst du sehr viel Zucker und festen Willen.
Aber verzichten kannst du trotzdem nicht.
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Glaube ist manchmal wie eine Kartoffel.
Vielseitig verwendbar, ein Grundnahrungsmittel, unverzichtbar, nur von außen, da sieht sie irgendwie langweilig aus.
Obwohl – manchmal blinzelt dich überraschend das ein oder andere Auge an.
Und du fragst dich: Was war das?

 

 

Neugierig sein

Neugierig sein




Nicht aufhören können zu lesen bis das Buch zuende ist. Die Zahnpastatube aufschneiden, um herauszufinden, wie die Streifen in die Paste kommen. Das Samentütchen einfach aussäen, obwohl die Aufschrift auf der Packung nicht mehr leserlich ist. Einen Luftballon steigen lassen, mit Adresse, und hoffen, dass die Karte zurückkommt. Die Reise buchen. Ohne Navi in die nächste Stadt fahren und gucken, wo man landet. Immer noch um die nächste Ecke gehen. Oder über den nächsten Hügel. Auch in die fünfte Kirche des Tages gehen und hoffen, dass Gott dort wartet.

Alleine essen gehen und die Gespräche am Nachbartisch belauschen. Oder fragen, ob man sich dazu setzen darf und ein Gespräch anfangen. Morgens ans Fenster gehen und den ersten Blick hinaus werfen – ist noch alles da? Vielleicht doch mit einer Katze zusammenwohnen wollen. Drachen steigen lassen – kann man es noch? Die Bibel ganz durchlesen. Unbedingt das Ende erfahren wollen. Nachsehen, wie die letzten zehn Strophen des Liedes lauten, von dem man nur die ersten drei kennt. Einen Gedichtband kaufen und Rose Ausländer testen. Mit Freunden zusammen ein Spiel einer Sportart angucken, die keiner kennt – vielleicht Quidditch?

Die Straßenbahnlinie bis zum Ende fahren. Umwege machen. Mit dem Fahrrad all die unbekannten kleinen Seitenstraßen ausprobieren und neue Wege suchen. Vorgärten angucken. Wer hat den schönsten Briefkasten? Ausprobieren, ob das Wasser warm genug ist. Trotzdem reinspringen. Für die Mondfinsternis wach bleiben. Morgens um vier rausgehen, sich mit einer Decke in den Park legen und Sterne gucken. Kaktuseis probieren. Beten.

Wann hat Sie das letzte Mal etwas ungeheuer interessiert? Erinnern Sie sich, wie es sich angefühlt hat, das Risiko einzugehen und positiv neugierig zu sein? Denken Sie groß! Das Leben ist es auch. Ein zu spät gibt es nicht. Vielleicht ist es an der Zeit, das Wort Neugier ganz neu durchzubuchstabieren.

 

Alltagsauferstehungen



Alltagsauferstehungen

morgens aufwachen und feststellen, es war nur ein Traum

angetrocknete Blumen aus dem Supermarkt retten

etwas aussprechen, das bisher unaussprechlich war

Kresse aussäen

feiern mit verloren geglaubten Freunden

jemandem beim Schlafen zusehen und wissen, das ist ein Wunder

Gärtnereien besuchen und in Primeln und Hyazinthen baden

Ablegen von lange getragenen Lasten

blaue Blümchen unter der vertrockneten Buchenhecke

farblose Gewissheiten in Frage stellen

leere Handyakkus aufladen
 

Familienwünsche

Familienwünsche




Du, Gott? Weisst du was? Manchmal hätte ich wirklich gern eine Familie. Eine eigene. Meine. Das gemeinsame Essen, das fehlt mir. Und das Erzählen dabei. Und das Kuscheln, abends auf dem Sofa beim Fernsehen. 
Ich weiß, man soll sich ja besser nach unten vergleichen, nicht nach oben, aber trotzdem. Wenn ich an die Zukunft denke, wird mir manchmal angst und bang, wirklich. Wie hast du das ausgehalten, damals, so ohne deinen Sohn da oben? Habt ihr ihn vermisst?

Ja, haben wir. Sehr. Und ich weiß genau, was du meinst. Aber... hast du dich schon mal gefragt, ob ich dich vielleicht gar nicht für eine Familie geschaffen habe? Alle meine Menschen sind sehr unterschiedlich, und auch du bist etwas besonderes. Könnte... ich nicht deine Familie sein?

Du??

Ja. Ich.

Ach du liebe Güte. Ich weiß nicht. Das ist nicht dasselbe, und das weisst du. Das muss ich erst überdenken. Und überhaupt: Meinst du nicht, wir wären recht schnell genervt voneinander?

Ach was. Ich kenne dich durch und durch, von deiner Vorliebe für Streuselkuchen bis hin zu deiner Abneigung vor Straßenbahnhaltestangen. Du kannst mich gar nicht nerven. Könnte es aber sein, dass ich dich nerve?

Naja... eventuell... manchmal. Ein bißchen. Oft.

Warum denn?

Du bist so – konzentriert! Geballt. Anstrengend. Übereifrig. Nie zeigst du irgendeine Schwäche!

(Gott lacht)

Nein, ernsthaft! Du bist einfach zu perfekt. Das ist einschüchternd.

So ein Unsinn! Natürlich habe ich eine Schwäche! Dich! Und alle deine Brüder und Schwestern! Ich könnte gut mit mir selbst klar kommen, wir sind ja sowieso immer zu dritt. Aber ich bin abhängig, man könnte fast schon sagen süchtig nach euch Menschen! Ich kann einfach nicht von dir lassen, und nachdem ich nunmal mein Wort gegeben habe, komme ich aus der Nummer auch nicht mehr raus. Also, was das angeht, ist meine Schwäche bestimmt größer als alles, was du jemals anstellen könntest. Und schon angestellt hast.

Oh. Das wusste ich nicht.

Schon klar. Den meisten von euch ist das nicht bewusst. Was die Lage für mich nicht einfacher macht, findest du nicht auch?

Naja, wenn du es so formulierst...

Also. Was ist jetzt mit unserer Familie? Du könntest es ja zumindest mal versuchen.

Puh. Naja. Meinetwegen, versuchen wirs. Aber eins sag ich dir gleich von Anfang an: Das Bad gehört mir!

Kind, ich habe dich gemacht, jedes Haar auf deinem Kopf...

Jajaja! Ist gezählt, ich weiß. Aber hier geht’s ums Prinzip. Beim Zähneputzen bin ich einfach noch nicht gesellschaftsfähig! Was denn? Hör sofort auf zu lachen! Das ist nicht lustig!

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