Ich bin David.
Nein, nicht der König.
Ich bin Hirte.
Manchmal fühlt es sich seltsam an, einen so großen Namen zu tragen, aber ich kann nichts dafür. Mein Vater hat mich so genannt.
Mein Vater war auch Hirte, genauso wie mein Großvater.
Eigentlich ist es ein Wunder, dass es mich überhaupt gibt. Hirten gehören nicht zu den Großverdienern, wir sind die kleinen Leute. Die ganz kleinen, um genau zu sein. Unter diesen Umständen zu heiraten, erfordert Mut. Meine Eltern und Großeltern hatten ihn.
Unser Leben hier draussen ist hart. Es ist einsam, und mit der Zeit wird man seltsam. Auch mit dem Waschen und mit der Kleidung nimmt man es nicht mehr so genau. Das trägt nicht dazu bei, dass wir viel Besuch bekommen.
Nachts ist es kalt und sehr dunkel. Jedes Geräusch ist doppelt so laut wie am Tag, und jedes Schaf, das wir bei Einbruch der Dunkelheit nicht in der Herde haben, ist ein verlorenes Schaf. Die Wölfe sind nicht die einzigen Jäger dort draußen.
Das Feuer hält uns zusammen. Es bringt Licht und Wärme, und Glück ist, wenn einer von uns eine Flöte hat und ein anderer eine Geschichte kennt.
Wenn wir könnten, würden die meisten von uns woanders ihr Glück versuchen.



Als der erste Engel kam, war es eine dieser ewiggleichen, stockfinsteren Nächte. Der Mond schien nicht, und an Wunder hat bis dahin wohl keiner von uns geglaubt.
Es wurde hell.
Aber nicht wie am Tag, das war eine andere Helligkeit, ganz anders.
Sie schien mir direkt ins Herz, mir wurde warm und kalt gleichzeitig, ich wollte wegrennen und dableiben, alles auf einmal.
Und dann kamen die anderen Engel.
Und sie sangen.
Und das war ein anderer Gesang als den, den wir bis dahin kannten.
Wir hörten und sahen und weinten und lachten und waren nur noch Ohren und Augen und warme Herzen.
Danach sahen wir uns an, wortlos, bis einer sagte, kommt, lasst uns nachsehen. Wir liessen unsere Herden zurück, ohne uns noch einmal umzudrehen.
Seitdem glaube ich an Wunder.
Alles ist möglich.
Und ich, ich werde heiraten.
Und mutig sein.