Heiligabend - Die Wanderung der Krippenfiguren

24. Dezember

Ein Kind ist uns geboren.

retter

Die Nacht ist kühl. Tau liegt auf dem Gras, ein heller Streifen hinter den Dächern kündigt die Morgendämmerung an. Die Wände sind roh zusammengezimmert, das Dach ist niedrig. Vorsichtig treten sie näher.

Das Kind in ihrem Arm, so winzig, denkt er, sieht aus wie alle Neugeborenen, der kleine Wurm soll ein König sein? Aber er hat sie gehört, die Stimmen in dieser Nacht, und er war nicht betrunken, sie alle hatten sie gehört, und da war dieser Glanz, nie hatte er etwas so klar verstanden: Fürchtet euch nicht, für euch ist heute der Retter geboren. Nicht, dass er sich von Parolen beeindrucken ließe, aber diese Worte – sein Herz, es wurde warm, und plötzlich musste er denken, wenn es wahr wäre: ein Retter für uns. Warum hören wir das, wir hier draußen, nicht die Frommen, nicht die wichtigen Leute? Er kann es nicht abtun, will es glauben, will es sehen, und nun steht er da, und ihm fehlen die Worte.

Als ob er sich je um einen Gott gekümmert hätte, aber dieser hier: nicht reicher als er, nicht mächtiger? Wenn es so wäre, dann würde alles anders.


Text: Susanne Niemeyer, aus: Der Andere Advent



Heimat


Als sie aufbrachen, wussten sie nicht, wie ihr Ziel aussehen würde. Sie wussten nur: Eine solche Sehnsucht hatten sie nie zuvor gespürt. Sie hatten diesen Stern gesehen. Und beschlossen, ihm zu folgen. Verrückt, haben viele gesagt. Jetzt sind sie hier, in diesem fremden Land, und nichts ist da, was ihnen vertraut wäre: Die Sprache nicht, die Religion nicht, auch die Gerüche und Geräusche nicht. Und dennoch: Dennoch spüren sie, sie werden hier Heimat finden. Erlösung, denken sie, auch wenn sie nicht genau erklären könnten, was sie damit meinen.

Als sie nach dem neugeborenen Kind fragen, dem König, will man sie abwimmeln. Sieht ihre merkwürdige Kleidung, hört ihren Akzent, mustert das große Fernrohr. Ein König? Draußen vor der Stadt? Unmöglich! hören sie. Aber sie sehen auch die Verunsicherung in den Augen.

Sie lassen die Stadt hinter sich. Halten die Geschenke fest in den Händen, das Wertvollste, das Heiligste, das Liebste, was sie haben. Vertrauen dem Stern, der sie bis hierher gebracht hat. Und der sie führen wird. Zu dem unbekannten Gott.


Text: Susanne Niemeyer, aus: Der Andere Advent



Happy End

 

Heiligabend


Unter Mitwirkung von:


Texte: Susanne Niemeyer.
Lesung: Micha Brockmann, Karl-Heinz Thiele.
Engel: Fam. Döhner.
Weihnachtsbaum: Andreas Kemnade
Stern: Tanja Borghardt
Schafe, Hund, Zebra, Kamel, Katze: Fam. Ratzel, Verden; Tanja Borghardt, Hauskreis Kopmann, Fam. Döhner, Fam. Bodenstab, Familie Brockmann
Ochs und Esel: Fam. Langmann, Fam. Bodenstab.
Hirten: Fam. Voß, Jäger, Guth, Haberkorn.
Maria, Josef, Jesus: Familie Fenzau, Fam. Haberkorn, Fam. Thran.
Weise: Fam. Langmann, Fam. Schumann, Fam. Ratzel,  Familie Bohlmann.