Josef

Die Weihnachts-Vorgeschichte aus Josefs Sicht. 

Wer das Video in Bildschirmgröße sehen möchte, kann das direkt auf youtube tun: 

https://youtu.be/agjPGrIqTyg

 

Heiligabend - Die Wanderung der Krippenfiguren

24. Dezember

Ein Kind ist uns geboren.

retter

Die Nacht ist kühl. Tau liegt auf dem Gras, ein heller Streifen hinter den Dächern kündigt die Morgendämmerung an. Die Wände sind roh zusammengezimmert, das Dach ist niedrig. Vorsichtig treten sie näher.

Das Kind in ihrem Arm, so winzig, denkt er, sieht aus wie alle Neugeborenen, der kleine Wurm soll ein König sein? Aber er hat sie gehört, die Stimmen in dieser Nacht, und er war nicht betrunken, sie alle hatten sie gehört, und da war dieser Glanz, nie hatte er etwas so klar verstanden: Fürchtet euch nicht, für euch ist heute der Retter geboren. Nicht, dass er sich von Parolen beeindrucken ließe, aber diese Worte – sein Herz, es wurde warm, und plötzlich musste er denken, wenn es wahr wäre: ein Retter für uns. Warum hören wir das, wir hier draußen, nicht die Frommen, nicht die wichtigen Leute? Er kann es nicht abtun, will es glauben, will es sehen, und nun steht er da, und ihm fehlen die Worte.

Als ob er sich je um einen Gott gekümmert hätte, aber dieser hier: nicht reicher als er, nicht mächtiger? Wenn es so wäre, dann würde alles anders.


Text: Susanne Niemeyer, aus: Der Andere Advent



Heimat


Als sie aufbrachen, wussten sie nicht, wie ihr Ziel aussehen würde. Sie wussten nur: Eine solche Sehnsucht hatten sie nie zuvor gespürt. Sie hatten diesen Stern gesehen. Und beschlossen, ihm zu folgen. Verrückt, haben viele gesagt. Jetzt sind sie hier, in diesem fremden Land, und nichts ist da, was ihnen vertraut wäre: Die Sprache nicht, die Religion nicht, auch die Gerüche und Geräusche nicht. Und dennoch: Dennoch spüren sie, sie werden hier Heimat finden. Erlösung, denken sie, auch wenn sie nicht genau erklären könnten, was sie damit meinen.

Als sie nach dem neugeborenen Kind fragen, dem König, will man sie abwimmeln. Sieht ihre merkwürdige Kleidung, hört ihren Akzent, mustert das große Fernrohr. Ein König? Draußen vor der Stadt? Unmöglich! hören sie. Aber sie sehen auch die Verunsicherung in den Augen.

Sie lassen die Stadt hinter sich. Halten die Geschenke fest in den Händen, das Wertvollste, das Heiligste, das Liebste, was sie haben. Vertrauen dem Stern, der sie bis hierher gebracht hat. Und der sie führen wird. Zu dem unbekannten Gott.


Text: Susanne Niemeyer, aus: Der Andere Advent



Happy End

 

Heiligabend


Unter Mitwirkung von:


Texte: Susanne Niemeyer.
Lesung: Micha Brockmann, Karl-Heinz Thiele.
Engel: Fam. Döhner.
Weihnachtsbaum: Andreas Kemnade
Stern: Tanja Borghardt
Schafe, Hund, Zebra, Kamel, Katze: Fam. Ratzel, Verden; Tanja Borghardt, Hauskreis Kopmann, Fam. Döhner, Fam. Bodenstab, Familie Brockmann
Ochs und Esel: Fam. Langmann, Fam. Bodenstab.
Hirten: Fam. Voß, Jäger, Guth, Haberkorn.
Maria, Josef, Jesus: Familie Fenzau, Fam. Haberkorn, Fam. Thran.
Weise: Fam. Langmann, Fam. Schumann, Fam. Ratzel,  Familie Bohlmann.

4. Advent: Die Wanderung der Krippenfiguren


belegt


Endlich, denkt sie, Bethlehem. Ein Bett, ich will nichts anderes als ein Bett und meine Ruhe. Sie sieht blass aus, die Reise hat sie mitgenommen. Ein Glück, das alles gut gegangen ist, fehlt nur noch ein Zimmer. Verstohlen schaut er sie an, wenn nur die Wehen noch nicht beginnen...

Die Straßen sind voll. Überall Menschen. Was für ein Wahnsinn, denkt er, ein ganzes Volk rennt durchs Land, nur weil die da oben mehr Steuern wollen! Sie sieht die Falte zwischen seinen Augen, sieht, das er sich mühsam beherrscht. Verrückt, eine Schwangere durch die Weltgeschichte zu jagen, schimpft er, einfach verrückt!

Sie ist mit ihren Gedanken woanders, bei dem Kind, es kommt bald. Zimmer belegt, liest er, nein, nichts mehr frei, hören sie, versuchen Sie es weiter außerhalb; aber auch dort: Kopfschütteln, gleichgültige Blicke, die Volkszählung, wissen Sie, das Wichtigste im Moment. Er spürt die Wut in sich aufsteigen, würde sie am liebsten alle schütteln, seht ihr denn nicht, möchte er schreien, seht ihr nicht, meine Frau bekommt ein Kind! Wo sollen wir denn bleiben?



Text: Susanne Niemeyer



Die Wirtin

Ich höre den Lärm von drüben. All das Geplapper der Leute. Das Geklapper aus der Küche. Jemand ruft nach mir. Es sei doch wahrlich genug zu tun um diese Zeit. Ich habe das alles hinter mir gelassen.

Schnell bin ich aus der Gaststube raus. Über den Hof, zu dem alten Stall. Ich sehe durch einen Spalt in den Brettern. Eine ganz andere Welt. Das junge Paar, ziemlich abgerissen. Sie legen Stroh in die Krippe, so liebevoll. Der Mann zündet ein Licht an. Die Frau streicht dem Esel über die Nase. Es sein kein Platz, hatte ich ihnen eben noch gesagt, nachdem sie drüben geklopft hatten, es sei alles voll und ich hätte keine Zeit. Der Lärm der Welt hatte mich fest im Griff. Ich war ein Teil davon.

Nun ist es anders. Sie hatten ein zweites Mal angeklopft. Ein leiser Ton, der sich in den Zwischenräumen der Geräusche einen Weg suchte. Hinten sei ein Stall, sagte ich, da könnten sie ausruhen. Nun stehe ich hier und lausche. Die Stimmen an den Tischen, das Geschrei aus der Küche, die ganze Rastlosigkeit – kann mir alles nichts mehr anhaben. Ich lausche nach drinnen.

Kann man Licht hören?

Ich klopfe. Ganz leise.

Text: Frank Howaldt

 

 

3. Advent: Die Wanderung der Krippenfiguren


Herodes


Ihr Knauf ist so hoch droben, dass man den Arm weiter hebt als man möchte, ihr Gewicht so groß, dass man sich gegen sie anstemmt, um sie zu bewegen. Eine Tür, die sagt: Bleib draußen, du bist dem nicht gewachsen, was hier drinnen zu tun ist. Doch durch ihre Ritzen dringen Gerüchte, die Diener tuscheln von Aufruhr und Umbruch.

Aber was ist dran an dem Gerede? Was kann mir passieren hinter meiner Tür? Wer sollte mir gefährlich werden?
Drei Fremde waren da, und große Worte haben sie gemacht von einem neuen König und einer neuen Zeit. Und dann sind sie wieder abgezogen, um weiterzusuchen nach Wem-auch-immer.

Es ist zum Aus-der-Haut-fahren:
Ich bin ohnmächtig gefangen im Tempel meiner eigenen Staatsgewalt. Wenn ich den Dreien folge, sitzt eine meiner Schranzen auf dem Thron, bevor ich mich umgeschaut habe. Und wenn ich darauf warte, ob die seltsamen Spinner zurückkehren, steht hinter dieser Tür bald mein Reich in Flammen.

Ein neuer König, eine neue Zeit: Von solchen Träumen kann eben nur jemand reden, der noch nie die Wirklichkeit des Herrschens erlebt hat!

Heiko von Kiedrowski


Ans Licht

Sag deiner Seele
Sie soll ihr schönstes Kleid tragen heut Abend.
Sag ihr, es ist soweit:
Der Himmel hat seinen Segen gegeben.
Was nun geschieht,
führt näher ans Licht.


3. Advent

Unter Mitwirkung von:


Texte: Heiko von Kiedrowski, Hans Kruppa.
Lesung: Daniel Ratzel.
Engel: Fam. Döhner
Schafe: Fam. Ratzel, Verden; Tanja Borghardt,
Hauskreis Kopmann, Fam. Döhner, Fam. Bodenstab
Ochs und Esel: Fam. Langmann, Fam. Bodenstab.
Hirten: Fam. Voß, Jäger, Guth, Haberkorn.
Maria: Familie Fenzau.
Weise: Fam. Langmann, Fam. Schumann.
Musik: Terra Sound, Piano Rain.


Und nächsten Sonntag?

Weitere Tiere bzw. Schafe sind herzlich willkommen.

2. Advent: Die Wanderung der Krippenfiguren


Als sie ihm das mit dem Kind erzählt, rennt er raus. Stolpert in die Nacht, nur allein sein, nichts mehr hören, bloß ihr Gesicht nicht mehr sehen. Sein Hals ist zugeschnürt, Maria, seine Maria! Der Boden unter ihm bricht, was wird aus unserem Leben, alles zerstört, warum nur, warum?

 

Dass sie schwanger ist, schwanger nicht von ihm, ist schon genug. Aber warum kommt sie mit solch einer Geschichte – Engel, Gottessohn! Weg, nur weg von hier, denkt er, irgendwo neu anfangen, sie nie wieder sehen!

 

Er schiebt seine Gefühle weg. Verbietet sich, an sie zu denken. Spricht mit keinem. Packt seine Sachen.

 

Aber dann kommt dieser Traum. Anders als andere Träume. So klar. So hell. Heftet sich in seinen Kopf, in sein Herz. Fürchte dich nicht, hört er, fürchte dich nicht. Im ganzen Körper spürt er die Stimme, fürchte dich nicht, bei Maria zu bleiben. Sie ist deine Frau, ihr Kind kommt von Gott. Er wacht auf, die Worte bleiben, lange noch hallen sie in ihm nach, zärtlich klingen sie, kraftvoll: Fürchte dich nicht.

Text: Susanne Niemeyer, aus: Der Andere Advent

 

Ich bringe das Andere. Jedes Mal, wenn ich über die Schwelle gehe. Jedes Mal, wenn ich in einen Traum trete. Jedes Mal, wenn ich im Gewand eines Anderen sichtbar werde.

Die Meisten erkennen mich nicht. Aber das macht nichts.

Nicht ich bin wichtig, sondern meine Botschaft. Ich flüstere sie in ihren Schlaf. Ich sage sie ihnen ins Gesicht. Ich lege sie in den Weg.

Geduldig bin ich und hartnäckig. Ich trete in ihr Leben.

Ich warte auf Einlass in ihr Herz.

Manchmal muss ich zwei Mal anklopfen, drei Mal.

Ich stehe auf der Schwelle. Meine Worte sind:

Du trägst Gott in dir. Erschrick nicht. Gott wird wachsen in dir.

Gib ihm Wohnung und bring das Heilige zur Welt.


Text: Susanne Niemeyer, aus: Der Andere Advent

 


2. Advent

Unter Mitwirkung von:

Texte: Susanne Niemeyer.
Lesung: Julian Langmann und Horst Schumann.
Schafe: Familie Ratzel, Verden; Tanja Borghardt.
Hirten: Familien Voß, Jäger, Guth.
Josef: Familie Haberkorn.
Engel: Familie Döhner.
Musik: Dirk Menger.


Und nächsten Sonntag?

Es herrscht Mangel an Königen und Schafen. Auch Ochs und Esel sowie andere Tiere sind herzlich willkommen.

1. Advent: Die Wanderung der Krippenfiguren

Verkündigung




An diesem Morgen, an einem Tag wie jedem anderen, steht jemand in ihrer Tür, den sie noch nie gesehen hat. Und bevor sie nachdenken, fragen, rufen kann, hört sie: Maria. Gott braucht dich. Du wirst schwanger. Das Kind soll Jesus heißen. Es wird die Welt verändern, und man wird es Sohn Gottes nennen.

Sie hört den Wind draußen, die Schritte auf der Straße, alles geht weiter, aber: Ihre Zeit steht still.

Schwanger, hallt es in ihrem Kopf. Wieso schwanger, das geht nicht, das geht doch gar nicht. Wieso ich, will sie einwenden, Sohn Gottes, was heißt das denn, das kann ich nicht. Alles gerät durcheinander, nein, will sie rufen, nein, aber sie tut es nicht, sie sieht das Licht, dieses warme Licht, und auf einmal hat sie keine Angst mehr.
Die Kraft deines Gottes wird in dir sein, sagt der andere. Und sie antwortet: Ja. Nichts anderes. Nur ja.


nach Lukas, Kapitel 1, Verse 26-38

Text: Susanne Niemeyer, aus: Der andere Advent

 


Mitwirkende:

Maria: Familie Fenzau

Schaf Nr. 1: Tanja Borghardt

Die Wanderung der Krippenfiguren

Die Adventssonntage in der LKG sollen dieses Jahr von den Personen der Weihnachtsgeschichte begleitet werden. Letztes Jahr habe ich einen kleinen Text von Albert Gralle bekommen, in dem er beschreibt, wie er seine Krippenfiguren nicht gleich am 1. Dezember aufstellt, sondern sie ganz langsam durch die Wohnung wandern lässt – sie sind auf dem Weg zur Krippe, aber noch nicht angekommen.

Das wollen wir in der LKG dieses Jahr umsetzen! Wir schicken die kleinen Figuren im und vorm Gottesdienstraum auf ihre Reise, begleiten sie mit Fotos und Text und lassen so die ganze Gemeinde daran teilnehmen.

Wir könnten natürlich eine einheitliche Krippe nehmen – aber wir als Gemeinde sind auch nicht einheitlich. Deswegen möchten wir aus so vielen Familien wie möglich eine Krippenfigur ausleihen. So haben wir eine bunte Sammlung – wie im Leben.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr an dieser kleinen Aktion teilnehmen und eine Figur aus eurem Zuhause beisteuern würdet! Es kann durchaus auch ein Schaf aus der zweiten Garnitur sein – aus der Krippe, die nie ans Licht kommt, sondern immer nur im Schrank steht. Das wäre die Gelegenheit! Die Figuren werden immer nur für den Sonntag aufgestellt und danach wieder verpackt. Am Heiligabend ist der finale Einsatz, danach bekommt ihr eure Figuren zurück. Ihr könnt sie mir geben oder in mein Fach legen, dann aber bitte mit einem kleinen Hinweis, zu welcher Familie diese Figur gehört.


Und in eure Krippe könntet ihr ein Schildchen legen mit dem Hinweis: Hirte/König/Josef/Engel auf Wanderung!

Tanja Borghardt