1 Jahr Flüchtlingsoase

Rückblick auf ein spannendes Jahr

1 Jahr Flüchtlings-Oase! Wer hätte das gedacht! Wo ist das Jahr hin! Wieviel Engagement ist geflossen! Was ist alles passiert in dieser Zeit!

Und wie war das eigentlich nochmal?

Oktober 2015. Die GaW-Halle wird für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. Für viele der erste Berührungspunkt  mit der Flüchtlingswelle.

Gerd war einer der ersten, die sich einen Eindruck von dem Leben in der Halle verschafften. Angesichts der Menge der Leute, den mangelnden Rückzugsmöglichkeiten und einfach der Tatsache, dass man sich an keinen Stuhl anlehnen konnte, kam die Idee, Räume der quasi gegenüberliegende LKG als Aufenthaltsort zur Verfügung zu stellen unter dem Dach der Organisation `Verden hilft`.

Tanja Brockmann übernahm die Pionierarbeit und trommelte eine Helferschar um sich.

Am 19.November 2015 kamen die ersten Gäste. Syrer, Kurden, Afghanen, Sudanesen, Iraker. Sehr viele Männer, weniger Frauen, viele Kinder. Auf einmal war da arabisch und farsi (persisch) im Raum.

Tanja bildete Teams, ein Team für Kinder und ein Team für die Erwachsenen.

Alsbald stellte sich heraus, dass Deutsch-Lernen die absolute Hauptmotivation der Geflüchteten war.

Wir fingen bei Null an. Und sprachen einfachstes deutsch,  mit den Kindern beim Basteln, beim Lego-bauen und beim Malen und mit den Erwachsenen beim Kaffee- und Teetrinken. Erstaunlich schnell kamen Kontakte zustande. Viele Geflüchtete kamen jeden Tag. Die Kinder rannten oft schon auf uns Helfer zu und freuten sich auf die Abwechslung in ihrem GaW-Hallen-Alltag.

In der Oase bildeten  die Erwachsenen die ersten Sätze und wenn gar nichts mehr ging, dann wurde der Tischkicker aktiviert und das Jokolo-Spiel, weil dabei Spaß und Kommunikation und eine Verbindung nur mit Gestik und Mimik und wenig Worten möglich war.

Mit der Zeit wurde der Kontakt zu manchen Geflüchteten so gut, dass sie fragten, ob sie auch etwas für uns (als Kirche; die Oase war in der GaW-Halle als Kirche bekannt) tun könnten, und so halfen einige von ihnen in der Wohnung im 2. Stock mit. Eine tolle Aktion.

 

Mitte April wurde die GaW-Halle aufgelöst. Die Syrer wurden auf Wohnungen in umliegenden Orten verteilt. Manche von uns Helfern haben immer noch einen regen Kontakt zu einigen von ihnen und sind immer noch Ansprechpartner für sie. Das ist unheimlich wertvoll!

Die Kinderbetreuung, die uns Helfern sehr viel Spass gemacht hat, hörte auf. Manchmal treffen wir das ein oder andere Kind in der Stadt, und es ist toll, sich wiederzusehen. Wir kennen uns!

Welche Bedeutung die Oase für die Menschen im ersten Ankommen in Deutschland richtig hatte, können wir wohl kaum ermessen.

 

Von Anfang an war die Oase montags-freitags von 9.30 Uhr bis 12 Uhr geöffnet, das ganze Jahr lang, bis auf die Feiertage und die Kleiderbörse. Sogar in den Ferien mit einem kleinen Team.

Wir haben den Eindruck, dass die Oase ein fester Anlaufpunkt für viele Geflüchtete ist. Oftmals sind die Gespräche in der Oase die einzigen deutschen Kontakte für sie. Deshalb ist uns die gleichbleibende Gastfreundschaft sehr wichtig in der Oase.

Inzwischen sind die die Deutsch-Kenntnisse und die Beziehungen so gut geworden, dass sie etwas aus ihrem Leben erzählen können und möchten. Das macht das Leben in der Oase sehr bunt und vielfältig  und wir nehmen gegenseitig ein wenig am Schicksal teil.

Für viele von uns war der Kontakt zu den Geflüchteten der erste intensivere Kontakt zu arabisch/persisch sprechenden Menschen, zu Moslems. Das gegenseitige Kennenlernen, das immer besser werdende Erzählen und Verstehen, das alles trägt dazu bei, dass Barrieren gefallen sind, Vorurteile abgebaut und im Gegenteil, sehr viel Verständnis und Interesse entstanden sind.  Und während der Unterhaltungen an den Tischgruppen kommt es durchaus vor, dass man auch die eigenen Werte und die eigene Kultur hinterfragt.  Der Austausch ist einfach sehr gewinnbringend für alle.

„ Die Oase ist meine Arbeit“ , sagte vor kurzem ein Afghane. Manche nehmen weite Wege auf sich, um in die Oase zu kommen. Ein Geschwisterpaar kam im Sommer jeden Tag mit dem Fahrrad aus Dörverden, eine andere Frau kam jeden Tag zu Fuß aus Ahnebergen, ein anderer fuhr jeden Tag eine Stunde mit dem Bus von Bendingbostel.

Manchmal waren 40 Personen in unseren Räumen. Das war kaum zu schaffen von uns Helfern. Meistens sind wir 4 Helfer, manchmal 5, und durchschnittlich sind 25 Gäste da. Wir lernen mit Büchern oder reden einfach so oder benutzen auch mal Playmobil, um Alltagssituationen nachzuspielen und die entsprechenden Redewendungen einzubauen. Öfter kommen die Menschen auch mit Worten, die sie gehört haben, und dann sprechen wir darüber. Flexibel sein ist ein ganz großer Faktor.

 

Der Besuch in der Oase ist nach wie vor gut. Es kommen immer wieder neue Geflüchtete, aus verschiedenen Ländern, mit unterschiedlichem Niveau. Durchaus auch Analphabeten. Für manche beginnt zur großen Freude ein Deutsch-Kurs bei der KVHS, ganz selten bekommt jemand einen  1Euro-Job, manche machen ein Praktikum, bei dessen Vermittlung wir auch öfter helfen. Viele wünschen sich noch weitere Kontakte zu Deutschen, einfach irgendwo dabei sein, und mit den Deutsch-Kenntnissen , die anfangs ein Hemmschuh waren, nun aber fortgeschritten, ist das sehr gut denkbar. Eine Ausbildung machen ist ein großes Ziel sehr vieler junger Flüchtlinge.

Vor kurzem haben 2 Afghanen bei einem Umzug mitgeholfen, nachdem sie gefragt wurden. Gerade bei solchen Aktionen lernen die Menschen das Alltagsleben in Deutschland kennen. Und genau das wollen sie gern!

Die Menschen, die zu uns in die Oase kommen, sind durch die Bank sehr höflich, zuvorkommend und hilfsbereit. Sie wollen lernen. Diese Menschen in ihren kulturellen Hintergründen zu kennen ist eine echte Bereicherung. Und ich glaube, das beruht auf Gegenseitigkeit.

Nun geht die Oase in ein neues Jahr. Wir gucken, wie lange wir noch gebraucht werden.

Wer gern einsteigen und mithelfen möchte, sehr gern! Bitte sprecht mich einfach an.

Im Namen des Teams Oase                                       Iris Guth

Mitarbeiterfest 2016



Am Samstag, den 12. November 2016 feierten wir unser diesjähriges Mitarbeiterfest. Wir haben die Mitarbeiter in Bewegung gesetzt und sie auf eine kleine Wanderung zu sechs Stationen geschickt, an denen ihnen Gutes widerfahren würde. Es gab Pralinen, Rosen, heiße Suppe bei – 1 Grad draussen, schöne Fragen, freie Auswahl, Punsch, Geschichten, Erinnerungen an das vorbeigegangene Mitarbeiterjahr, Lieder und viele, viele Kerzen. Und eine Lounge! Was soll ich lang erzählen – es war ein rauschendes Fest. Ein paar Gesichter waren dieses Jahr aus unterschiedlichsten Gründen nicht dabei – wir haben euch vermisst, Leute. Hoffentlich nächstes Jahr wieder!

Und hier gibt’s die Bilder. Mein Favourit ist die kleine Szene in der Bruchbude: Sehr, sehr kleine LKGler mit seltsamem Aussehen bei ihrer Lieblingsbeschäftigung: Essen. Viel Spaß!


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Gottesdienst Plus mit DU-Werkstatt und schönem Wetter!



Das war ein schöner Tag! Der Gottesdienst Plus am 21. August 2016 war eine Kooperation mit der DU-Persönlichkeitswerkstatt, und so gab es einen Gottesdienst mit sehr jungen Teilnehmern und Mitwirkenden, "Dingsda" als Videoeinspieler mit Live-Ratenden, mutige kleine Menschen, die uns erzählten, wovor sie Angst haben (Dunkelheit! Knarrende Fenster nachts!), Duo-Sandmalen mit Live-Sängerin und so weiter und so fort...

Danach folgte der Gartenteil des Tages: Es gab ein reichhaltiges Mitbringbuffet bei Sonnenschein und gelegentlichen Wolken, jede Menge Spiele, lästige Fotografen :) , das Wilde Orchester, das eine Zugabe geben musste, viele Gespräche und eine Menge Gelächter. Wer das nochmal nacherleben möchte,, kann das hier tun:

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Compassion Info-Clip gewinnt Red Dot Award 2016

Schöne Nachricht und eine besondere Ehre:

Der gerade veröffentlichte neue Info-Clip von Compassion Deutschland "Compassion verbindet" hat den begehrten internationalen Red Dot Award 2016 erhalten. Die Kommunikationsagentur BärTigerWolf aus Tübingen hat ihn produziert. Aus fast 10.000 Einreichungen aus dem In- und Ausland zeichnete eine 26-köpfige Jury den Clip mit dem "Red Dot Award" aus.

Hier geht es zum Clip auf Vimeo:

Bremer Stadtmusikanten

Seit Februar 2015 schreibt Farhan Hebbo aus Syrien eine Kolumne mit dem Titel "Neuanfang in Bremen" im Weser-Kurier. Er floh 64jährig aus Syrien in die Türkei, nun lebt er mit seiner Familie in Bremen. Im April 2016 erschien diese besonders schöne Kolumne zu den Bremer Stadtmusikanten im Weser-Kurier.


"Eines Tages gab unsere Deutschlehrerin mir eine Aufgabe. Ich sollte ein Vorleser sein. Solche Geschichtenerzähler sind ein wichtiger Teil unserer Tradition. Bevor es Fernseher gab, hatten wir Cafés in den großen Städten wie Damaskus. Dort saßen die Vorleser auf einem erhöhten Platz und lasen vor, während die Männer Tee oder Kaffee tranken. Sie waren wie Schauspieler mit ihrer Stimme. Meistens hatten sie einen großen Schnurrbart, einen Hut und einen Gehstock.

Meine Aufgabe war also, der Vorleser für die arabischen und kurdischen Kinder zu sein. Das Märchen war eine Bremer Geschichte. Ein Esel, der bei einem Müller lebte, ein Hund, eine Katze und ein Hahn. Sie liefen weg von ihrer Heimat, zu einer Stadt namens Bremen. Sie wollten Musiker werden.

Die Kinder hörten mir zu. Als ich fertig gelesen hatte, liefen sie nach draußen und spielten, dass sie selbst die Tiere wären. Sie schrien wie der Esel, bellten wie der Hund und miauten wie die Katze. Die Welt der Kinder ist frei von Krieg und Katastrophen. Ich habe immer gehofft, dass die Kindheit eines Tages ewig dauert, denn sie ist rein und sorglos. Kinder sind wie weißes Papier, auf dem noch niemand geschrieben hat. Ich träume von einem Tag, an dem die Kinder die Welt regieren.

Ich machte mir Vorwürfe, dass ich so schnell alt geworden bin. Ich würde die Zeit gern für ein paar Jahre stoppen. An diesem Abend versuchte ich zu schlafen, doch der Schlaf lief weg vor mir. Ich stand auf und lief ihm nach. Plötzlich fand ich mich im Kinderzimmer wieder. Ich setzte mich auf den Stuhl, auf dem ich den Kindern vorgelesen hatte. Mein Auge suchte nach den Kindern und mein Herz und mein Verstand waren bei dem Märchen von Esel, Hund, Katze und Hahn.

Die Geschichten des Lebens sind sich oft ähnlich. Ich meine, die Tiere haben ihren Besitzern viele Jahre gedient. Sie hatten einen Platz, wo sie geboren wurden und lebten. Doch die Wechselfälle des Lebens zwangen sie zu fliehen, an einen anderen Ort, wo sie ein neues Leben von Null beginnen mussten - so wie ein kleines Kind, das laufen lernt. Wie oft fällt es hin? Wie oft verletzt es sich, wie oft weint es? Diese Geschichte ist wie unsere Geschichte, nur an einem anderen Ort und in einer anderen Zeit. Vielleicht sollten wir auch ein Musikorchester gründen, um die Herzen der Menschen in Bremen mit Freude zu erfüllen."


Auf der Internet-Seite des Weser-Kuriers sind weitere Kolumnen von Farhan Hebbo zu finden - reinschauen lohnt sich!

Eine Handvoll Heimat - Christival-Poesie



Eine Handvoll Heimat

Eine Handvoll Menschen

Bekannte Menschen


Menschen, die ich vor einem Jahr völlig natürlich jede Woche gesehen habe (plötzlich nicht mehr)

1 Gott - ein 3-einiger Gott, der ein wenig

In den Hintergrund gerückt ist, ver-rückt aus dem Sichtfeld

C H R I S T I V A L

Treffpunkt Karlsruhe, von mir nur eine Stunde Fahrt mit dem TGV entfernt

Aber weit weg von zu Hause, also dem anderen Zuhause, dem Verden-Zuhause

Wiedersehen

Und plötzlich beginnt dieser Gott aus dem Hintergrund hervorzutreten. Plötzlich wird alles wieder greifbar, konkret SEIN, wirken in mir. Etwas singt da in mir und jubelt und freut sich. ER leuchtet aus mir heraus, in mich hinein und hindurch. Ich spüre alles anders, intensiver, lebendig. Genieße einfach SEINE Gegenwart. Weine, lache, bin da. Vollkommen. Ganz irgendwie. Mit 13 000 anderen Menschen. Und dieser besonderen Handvoll Menschen. Das Herz berührende, wunderbare, wundervolle, glückliche, emotionale, ehrliche Momente. Momente der Auszeit aus dem Alltag - Auszeit mit Gott. Auszeit der Routine. Heimatgefühl.

Ein Stückchen Heimat wird geweckt und regt sich. Es fühlt sich an wie zu Hause, Geborgenheit mitten in einer Messehalle mit tausend anderen. Wo man geliebt ist und sich fallen lässt. Durchatmen, Freiheit. Vertrauensvoll voll von DIR.

Heimat ist nicht unbedingt ein Ort, es ist ein Gefühl, es sind Menschen; es ist da, wo GOTT ist.


geschrieben von Fenja, seit September 2015 im FSJ in einer kleinen französischen Stadt im Elsass